Streit zwischen Anthony Power und den Fans des TSV 1860 München. Dabei sei alles gesagt, so 1860-Geschäftsführer Pfeifer. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Frage, ob über die Markenrechte beim TSV 1860 München wirklich alles gesagt ist.

1860-Geschäftsführer Pfeifer: Markenrechte? Alles gesagt!

Es sei zum Thema Markenrechte alles gesagt, findet Marc-Nicolai Pfeifer, Geschäftsführer des TSV 1860 München, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Man habe ja auch vor einer Woche eine Pressemitteilung dazu herausgegeben. Die kommt allerdings nicht wirklich gut an. Und auf Facebook kam die KGaA kaum mehr hinterher kritische Kommentare eilig zu verstecken. Auch für viele Journalisten wirft sie mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Das sieht auch die Süddeutsche Zeitung so. Pfeifer betont mit seiner Pressemitteilung nur den unstrittigen Fakt, dass die Markenrechte bei der Profifußball-KGaA liegen. Und die gehören dem TSV München von 1860 e.V. und HAM International (Hasan Ismaik) zusammen. Auch völlig irrwitzige Wortmarken hat die KGaA sich eintragen lassen. So zum Beispiel das Wort “SECHZIG”, die Zahl “60” oder auch die Zahl “1860”.

1860-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer
1860-Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer

Drohkulisse für die Ultra-Szene?

Es ist eben nicht alles gesagt. Und auch wenn Geschäftsführer Pfeifer sich gerne aufs Sportliche konzentrieren möchte und alles andere versucht auszublenden, es sind Fragen offen. Zum Beispiel im Hinblick auf die Eintragung des Löwen mit einem Lorbeerkranz. Den nutzt die Ultra-Szene für Fanartikel. Erst im März 2022 hat man sich genau dieses Design eintragen lassen. Weil Merchandising-Geschäftsführer Anthony Power auch gerne mal Fans verklagt, verstehen “viele die Eintragung zumindest als Drohkulisse”. Was die Eintragung für die Ultras bedeutet, ist nicht klar, meint die Süddeutsche Zeitung.

TSV 1860 Westkurve - Kritik an Anthony Power
Kritik an Anthony Power – Westkurve TSV 1860 München

Wir sind der Verein

Vermutlich hat Geschäftsführer Pfeifer die Pressemitteilung so formuliert, dass sie keinen der beiden Gesellschafter verärgert, mutmaßt die Süddeutsche Zeitung. Aber im Hintergrund schwellt der Konflikt, auch wenn Pfeifer Schönwetter predigt und unbequemen Themen aus dem Weg geht. Der e.V. des TSV 1860 nutzt den Löwen für eigene Fanartikel. Zum Beispiel mit dem Schriftzug “Wir sind der Verein“. Dieser Artikel sei dem Merchandising Boss Power wohl ein Dorn im Auge. Er hat das Shirt so gut wie identisch nachproduziert und ins eigene Sortiment aufgenommen. Für 5,05 Euro weniger. Der Protest war groß und überregionale Medien berichteten. Was dem TSV 1860 München nicht gut tut. Anthony Power legte daraufhin noch einen passenden Hoodie nach, so die SZ in ihrem Artikel.

“Wir sind der Verein” – Kollektion. Erhältlich beim Shop des TSV München von 1860 e.V. (c) geezing790

Gewinn der Merchandising GmbH erscheint eher niedrig

Es sei unstrittig, dass die Nutzungsrechte an den Marken der KGaA bei der Merchandising GmbH liegen. Vom Gewinn gehen pro Saison 120.000 Euro direkt an Ismaiks Firma. Der Rest wird geteilt. Die Tageszeitung zeigt sich dabei verwundert: “Der Gewinn erscheint mit rund 170 000 Euro im Schnitt pro Spielzeit eher niedrig.” Wirklich Einblick hat allerdings wohl nur Geschäftsführer Anthony Power.

sechzger.de wird bei Pressekonferenzen nicht mehr zugelassen

Das Fanportal sechzger.de wird bei Pressekonferenzen des TSV 1860 München nicht mehr zugelassen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Weil der jeweilige Fan-Reporter Christian Jung den Trainer in einer Pressekonferenz nach einem Bildband mit Ultra-Choreografien gefragt hat? Köllner hatte das Buch gelobt. Geht es nach der Geschäftsführung soll der Cheftrainer wohl nur “über den tollen neuen Kader und die prima Stimmung im Team” reden.

Ein hauptamtlicher Journalist einer Zeitung berichtete übrigens gegenüber dem Löwenmagazin, dass Rainer Kmeth ihm bei einem Testspiel verboten habe direkt mit Cheftrainer Köllner zu sprechen. Kmeth ist gelernter Bankkaufmann, übernahm in der Regionalliga nebenher die Pressearbeit beim TSV 1860 München und ist mittlerweile fest angestellt.

Am Ende bleibt Pfeifers Aussage. Es ist alles gesagt. Seitens der KGaA. Aber mit der Presse-, Meinungs-, und Informationsfreiheit ist das eben so eine Sache. “Die Wahrheit ist wie ein Löwe”, fand bereits der Heilige Augustinus. “Lass sie einfach los. Sie wird sich selbst verteidigen.” Aber dazu muss die Wahrheit eben erst einmal ausgesprochen werden.

Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Den Artikel findet ihr als SZ-Plus-Artikel hier: Marketing-Streit beim TSV 1860 München: Wer ist der Verein? – Sport – SZ.de (sueddeutsche.de).

Titelbild: IMAGO / Revierfoto

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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