Ein Kommentar

Der TSV 1860 München als Spielball mächtiger Investoren? Die Fans in der Westkurve sehen das kritisch. Das brachten sie auch beim gestrigen Spiel gegen den SV Schalding-Heining zum Ausdruck:

“FUßBALL verbindet Generationen und ist kein Spielball von Investoren”

Eine klare Ansage, die sich durchaus auch Gerhard Mey zu Herzen nehmen muss. Mey möchte Investor Hasan Ismaiks Anteile am TSV 1860 München abkaufen. Und geht dabei immer wieder offensiv an die Presse. Er setzt auf die “unternehmerische Einsicht” Ismaiks, so Mey in der Süddeutschen Zeitung. Ob Ismaik das genauso sieht, muss man bezweifeln. Auf Facebook verkündete der Jordanier, dass er nicht verkaufen werde. Wenn man sich mit der arabischen Geschäftswelt beschäftigt, dann wirkt das Vorgehen von Mey wie ein Verstoß gegen die Netiquette.

Beziehungsebene aufbauen vor Verhandlungen

Auf den ersten Blick geht Gerhard Mey falsch vor. Er hatte ein Gespräch mit Ismaik, das war es. So funktionieren jedoch Geschäfte mit Arabern nicht. So kann man mit deutschen Unternehmern reden, in der Kultur von Hasan Ismaik läuft alles vor allem über die Beziehungsebene. Die ist das A und O. Man macht nicht gleich ein Angebot, sondern verkauft sich erst selbst. Die sogenannte Business-Etiquette für die arabische Welt ist ein Thema, dem sich Experten immer wieder annehmen. Weil es eine komplexe Sache ist. Nur ein falsches Wort und Verhandlungen kommen vollkommen zum Erliegen. Ein Fall, den man immer wieder als Beispiel herannimmt: Ein deutscher Geschäftsmann macht mit seinem Geschäftspartner aus Abu Dhabi einen Deal. Man ist kurz vor Vertragsabschluss. Der deutsche Geschäftsmann freut sich darüber und äußert sich positiv, dass er nun auch am Persischen Gold Geschäfte machen kann. Danach sind die Geschäftsbeziehungen abrupt beendet: Aus arabischer Sicht handelt es sich um den Arabischen Golf, nicht um den Persischen. Ein Fauxpas, der einen Millionendeal scheitern lässt.

Gelebte Diplomatie statt deutsche Fakten

Gerhard Mey denkt wie ein deutscher Unternehmer nun mal denkt: abschlussorientiert. In der arabischen Geschäftswelt ist es jedoch wichtig, sich erst einmal kennenzulernen. Mit Angeboten hätte Mey also beim ersten Treffen gar nicht kommen dürfen. Vielmehr hätte er sich selbst einbringen müssen, als Person. Er hätte mit Ismaik eine Beziehungsebene aufbauen müssen, um eine Basis zu schaffen. Erst wenn die gefestigt ist, hätte man überhaupt verhandeln können. Dass Hasan Ismaik Bereitschaft signalisiert hat zu verkaufen war wohl eher arabische Höflichkeit. Denn ein klares “Nein” ist unüblich.

In Deutschland spricht man gerne eine klare Sprache. Man sagt was Sache ist und schafft Fakten. In arabischen Ländern gilt es sogar als unhöflich. Meys Vorstoß in der Presse ist die typisch deutsche Vorgehensweise. Man will Klartext reden und Fakten schaffen. Ja, Mey wollte Ismaik vermutlich sogar aus der Reserve locken. Bei einem Araber kommt das nicht gut an. Auch ein direkter Verhandlungsstil ist unüblich. Man redet gerne um den “heißen Brei”. Man lernt sich kennen. Vertragsabschlüsse unterliegen oftmals einem langen Prozess. Man pflegt die Beziehungsebene. Und mal lebt eine gewisse Diplomatie. “Du musst ein wahnsinnig guter Schauspieler sein”, sagte mir mal ein General im Hinblick auf arabische Warlords.

Beziehungspflege statt nüchterne Geschäftsbeziehung

Hat man eine Beziehungsebene aufgebaut, dann ist es wesentlich diese Beziehung zu pflegen. Es ist vollkommen üblich, sehr viel Kontakt miteinander zu haben, anzurufen und sich zu erkundigen, wie es dem anderen geht. Private Einladungen zu sportlichen und kulturellen Ereignissen sind immens wichtig um die Beziehung nicht nur zu pflegen, sondern daraus eine Verhandlungsbasis zu schaffen. Geschenke an die Kinder sind üblich. Die Familie ist ohnehin der Kern der arabischen Kultur. Sie zu würdigen ist wichtig. All das fehlte bei Gerhard Mey bislang, wenn nüchtern die Beschreibungen in der Süddeutschen Zeitung liest. Ob Hasan Ismaik nach dem Vorstoß von Mey in der Presse überhaupt in Verhandlungen einsteigt ist fraglich. In arabischen Ländern spielt man oft auf Zeit. Um das Gegenüber zu einem Entgegenkommen zu bewegen. Ismaik hat es nicht eilig. Das sieht man.

Ich persönlich glaube nicht, dass die Strategie von Gerhard Mey aufgeht. Nicht auf diese Weise. Ein Tauziehen, wie im Titelbild dargestellt, ist meines Erachtens der falsche Weg. Bei Ismaik muss man andere Wege bestreiten.

Was denkt Ihr über Gerhard Meys erneutem Vorstoß in der Presse?

 

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24 Kommentare
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pele60

die 50+1 wird fallen wenn nicht beim kartellamt, dann bein europ. gerichtshof. auch die halbe 1. buli ist dafür einschl. die rote seite. teilweise umgehen vereine diese schon bzw. der dfb hat sie umgangen mit sonderregelungen. Beispiel hannover will es auch und hat es beschlossen, dass 50+1 fallen soll.

Tante Tornante

Ismaik hat Beschwerde beim BuKartellamt eingereicht gegen 50+1. Über diese Beschwerde und die Zulassung einer Klage soll das Amt noch dieses Jahr entscheiden. Warum sollte er also jetzt verkaufen? Wenigstens diese Entscheidung würde ich auch abwarten.

Andreas Däubler

Das würde aber auch Bedeuten,dass der Präsi ne Beziehung zum zweifelhaften Investor aufbauen müsste.
Oder er zeigt ihm die Bilder von der Westkurve..# Wenn die Fans mich nicht wollen…?

sechzig_ist_kult

und er die komplette Investitionssumme zurückerhält… So ehrlich muss man sein, das hat er halt leider (!) auch gesagt…

Wobei das natürlich Irrsinn ist… Dass er eine erhebliche Verantwortung dafür trägt, dass der Wagen derart an die Wand gefahren wurde (Wertverlust!) und dass vor allem letzte Saison ohne Sinn und Verstand Geld ausgegeben wurde (überflüssige Investitionen ohne Nutzen!), scheint er dabei völlig zu ignorieren…

Andreas

Stimmt..

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banana-joe

Also ich weiß ganz sicher, dass es 2011 mehrere Angebote für die Übernahme der Anteile von verschiedenen Personen gab, man hat sich seitens des Vereins aber für das höchste entscheiden, was auch logisch ist. Dass es Ismaik war, der seit Jahren nur planlos herumeiert, erpresst und wütet, war damals sicher nicht vorhersehbar. Hätte man aber mit ein bisschen Kenntnis der arabischen Praxis im Allgemeinen aber schon voraussehen können. Wie viele Angebote es 2011 aber waren und ob der Mey dabei war, das weiß ich natürlich auch nicht. Mir hat das aber vor einigen Jahren schon einer, der sehr nahe am Verein dran ist, bestätigt.

„Wo waren also die Leute 2011“ ist schon lange kein gültiges Argument mehr und auch der Griss hat das zu seiner Zeit, als er noch nicht vom arabischen Sponsoring abhängig und auch kritisch gegenüber dem Investor war, mehrmals geschrieben, dass das höchste Angebot angenommen wurde. Also auch er weiß, dass es offensichtlich mehrere Angebote gab, wovon er jetzt natürlich nichts mehr wissen will.

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klothilde

Man sollte auch nicht vergessen, dass der gute Herr Mey FC Bayern Spiele in einer Loge besuchte.
Wie oft dies der Fall war, ob es seine eigene Loge war oder auf wessen Einladung muss erfragt werden.
Kam es dabei zu Kontakten mit FCB-Funktionren die auf 1860 als mögliches Investitionsobjekt hingewiesen haben, wissentlich, dass da der nächste “Unfähige” auf uns zu kommt?
Sein hektisches Facebookprofilgelösche läßt zumindest nix gutes erahnen.
Parallelen zu einem gewissen FCB-Symphatiesanten Wildmoser mag ich mir nicht vorstellen.
So Größenwahnsinnige die beim FCB nicht zum zug kommen brauchen wir nicht mehr.
Ich sehe Mey sehr skeptisch und bevorzuge eine Konfrontation mit Ismaik bei der er gezwungen wird seine Anteile zu verkaufen, weil ihm sonst Totalverlust droht.
Auch mit dem Risiko einer Insolvenz.

Ich denke bei einem Volumen von max.10 Mio wäre es möglich diese Summe von eV-Seite auch ohne Investor aufzubringen.

sechzig_ist_kult

Ggf spielt auch noch das immer wahrscheinlicher werdende Fallen von 50+1 eine Rolle… Damit wäre relativ zeitnah eine erhebliche Wertsteigerung der Anteile möglich!

banana-joe

Die Gründe weiß wahrscheinlich nur der Mey selbst und wenn man die Kommentare der letzten Wochen so liest, dann hat sich der Mey bezüglich Zustimmung bei den Fans, angefangen beim Griss bis hin zum Löwenforum übereinstimmend sicher keinen großen Gefallen getan.

sechzig_ist_kult

Geht mir ähnlich… Das Argument pro Mey, das am häufigsten genannt wird, ist eigentlich fast schon, dass es schlimmer als es aktuell ist, ohnehin nicht mehr möglich ist… Gute Voraussetzungen sind für mich was anderes. Außerdem bin ich überhaupt nicht davon überzeugt, dass Mey unseren Verein wirklich versteht. Einige seiner Aussagen lassen nicht unbedingt darauf schließen… Und wie oben schon geschrieben, wenn ihm wirklich so viel an uns liegt, gäbe es auch andere Möglichkeiten uns zu unterstützen…

Warum Mey gerade jetzt Ismaiks Anteile will, denke ich ist eine Kombination der Tatsachen, dass Ismaik bei uns eigentlich keine große Zukunft mehr gegeben wird und der Hoffnung, dass er aktuell, wo wir – rein von der Ligenzugehörigkeit – am Boden sind, günstig an die Anteile kommt. Vielleicht spekuliert er auch auf ein zügiges Fallen von 50+1, was momentan ja ebenfalls verstärkt in den Fokus gerückt ist… Wir wissen es nicht. Fakt ist auf jeden Fall, dass auch Mey jetzt schon reichlich Gegenwind abbekommt (von verschiedener Seite) und das wäre bei einem potentiellen Einstieg sicherlich nicht förderlich.

Genauso wenig schlau werde ich allerdings aus Ismaiks Absichten… Was will er? Warum hat er uns absaufen lassen? Was ist dadurch für ihn besser geworden? Warum lehnt er einen Verkauf so kategorisch ab? Auch bei ihm kann man eigentlich nur spekulieren…

Ich wäre Ismaik lieber heute als morgen los. Allerdings bin ich auch bei Mey mittlerweile sehr skeptisch. Aber ohne vernünftigen Investor wird es zukünftig höchstwahrscheinlich gehen. Mein Traum wäre ja immer noch ein groß angelegtes Sponsoring… Leider fehlt mir daran jeglicher Glaube.

Es ist und bleibt eine verfahrene Situation! Nichts und niemand kann Ismaik dazu zwingen, seine Anteile zu verkaufen! Und wenn er wirklich, wie auf seiner Facebook-Seite vermeldet wurde, nicht bereit ist, die Anteile abzutreten, sind jegliche Diskussionen um Mey eh für die Katz…

georg-beutlhauser

Finde diese Analyse durchaus interessant,
Aber ein deutscher Investor hat keinen arabischen Verein gekauft, sondern ein arabischer Investor einen deutschen Verein, mit deutschen Spielern mit deutschen Fans.
Dann soll er sich doch auch mit den geltenden Gepflogenheiten bei uns auseinandersetzen un zusehen, wie WIR ticken.
Sehe nicht ein, warum wir uns den dortigen üblichen Abläufen unterwerfen sollten.

A. Schlegel

Ganz erhrlich, Arik. Wenn Herr Mey wirklich so naiv war, wie Du ihn hinstellst, dann muss er die letzten 6 Jahre wie Kaspar Hauser gelebt haben und keine Zeitung, kein Internet, keine Kontakte gehabt haben um zu sehen, wie Herr Ismaik sich hier benimmt. Es ist ja nicht so, dass unser Investor Geschäftsführer und Präsidenten des Vereins nahezu im Halbjahrestakt verschlissen hat, sondern in fast noch größerer Zahl auch das eigene Personal. Selbst der eigene Cousin ist bei ihm gescheitert – und der müsste nun doch wirklich die arabischen Gepflogenheiten im Schlaf herunterbeten können. Darum bin ichs auch langsam leid, dass immer wieder mit dieser Küchensoziologie aus dem ABC-Buch argumentiert wird. Diese Trivialitäten haben doch schon lange im Verhältnis mit Herrn Ismaik ausgedient.

Man könnte ja auch mal andersherum argumentieren: da kauft sich ein Geschäftsmann in einen Fußballverein ein und denkt bis heute er kann das Ganze handhaben wie den Invest in eine Würstchenfabrik. Wo ist denn der Lerneffekt bei Herrn Ismaik? Wie ernst ihm die letztes Jahr immer wieder treuherzig aufgefahrene Verbundenheit mit dem Verein war, wo er sich als den größten Löwenfan aller Zeiten zu positionieren versuchte, hat man ja gesehen. Das war genauso eine lächerliche und verlogene Show, wie sie umgekehrt ein deutscher Geschäftsmann abziehen würde, der einen auf großen Orient-Versteher macht. Glaubst Du wirklich, Arik, das durchschaut ein arabischer Geschäftsmann nicht auf den ersten Blick?

Ne, das ist mir alles zu trivial und wird auch einer merkwürdigen Persönlichkeit wie Herrn Ismaik nicht gerecht. Allerdings kann ich Dir auch keine Antwort geben, was in aller Welt Herrn Mey getrieben hat ihn wie einen dummen Schuljungen hinzustellen, der nicht kapiert hat, dass er sein Investment am besten herschenken soll. Und das hat nichts mit arabischen Empfindlichkeiten zu tun, sondern da würde sich auch jeder deutscher Investor wie ein vorgeführter Idiot vorkommen.

Dr. Klothilde Rumpelschtilz

Tolle Argumentationskette die ich sehr gut nachvollziehen kann.
Auch wenn ich Ariks Artikel interessant fand, tendiere ich doch eher zu deiner Vernunft/Logik-Theorie.

sechzgemax

Der ganze Kommentar zeigt, dass HI und 1860 nicht zusammen passen und wohl nie langfristig zueinander finden werden. Zu unterschiedliche Kulturen.

Und wie sollen zwischen Präsident (bzw. e.V. Vertretern) und HI Gespräche auf Augenhöhe stattfinden? Ich sag nur “Butler”.

Das Ganze hat in den letzten 6 Jahren nicht funktioniert und wird wohl auch zukünftig nicht funktionieren. Eine Lösung für das Problem hab ich allerdings auch nicht…

BruckbergerLoewe

Interessant zu sehen sein wird, ob Hr. Ismaik tatsächlich die berühmte münchener Persönlichkeit , den sagenumwobenen Mr.X , aus dem Hut zaubert,mit dem bei 1860 alles besser werden soll.
Arik,hast Du schon eine Vermutung ?

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sechzig_ist_kult

Das hab’ ich auf db 24 auch schon geschrieben und hab sogar dort größtenteils Zustimmung erhalten. Dort habe auch noch keinen ernst zunehmenden Vorschlag gelesen, wer diese Persönlichkeit denn sein könnte, auch wenn ich den Blog momentan zugegebenermaßen verstärkt ignoriere… 😉

Meine persönliche Meinung ist, wir werden noch nicht mal erfahren, wer es gewesen WÄRE! Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren!

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