Robert Reisinger spricht auf Facebook Klartext gegenüber der ARGE. Dass die Reaktionen unterschiedlich ausfallen würden, das war dem Präsidenten des TSV München von 1860 natürlich klar. An einem Zitat wird sich der 1860-Präsident jedoch messen müssen. Kritiker und auch die ARGE-Führung stoßen sich vor allem an einem Begriff – den sogenannten “Claqueuren”.

Das Zitat

Ich bin ein Freund von Kritik, wenn sie der Urteilsbildung dient und offen kommuniziert wird. Wer diese jedoch nur einem ausgewählten Kreis von Claqueuren vorträgt, beraubt sich selbst der Möglichkeit des Erkenntnisgewinns. (Reisinger)

Der Claqueur laut Wikipedia

Um die Worte von Reisinger zu verstehen, muss man sich mit dem Begriff auseinandersetzen. Claqueur kommt von dem französischen Wort “claquer”, zu deutsch: “klatschen”. Laut Wikipedia bezeichnet dieser Begriff eine Person, die bei einem Theaterstück oder sonst einer öffentlichen Aufführung bezahlten Applaus liefert. Der Zweck ist es, das Publikum zum Applaudieren zu bewegen. Heinrich Heine bezeichnete 1844 die bezahlten Klatscher als Miet-Enthusiasten.

Moderne, bezahlte Claqueure

Auch in der heutigen Zeit gibt es solche Stimmungsmacher. Sogar auf professioneller Ebene. Unter www.rent-a-fan.eu kann man sich “Fans” mieten. Die sorgen dann bei Veranstaltungen für Stimmung. Wer mit einem Nebenverdienst liebäugelt, kann sich in deren Datenbank eintragen lassen. Findet eine Veranstaltung in der Nähe statt, dann wird man gegebenenfalls gemietet.

Claqueure zur Verzerrung der Realität

Doch der Begriff ist weitaus mehr als das was uns Wikipedia verrät. Nicht unbedingt muss ein Claqueur bezahlt sein. In der Politik setzt man gerne auf Claqueure, die, zum Beispiel wenn ein kritischer ausländischer Politiker zu Gast ist, ein anderes Bild vermitteln sollen. Vor dem U20-Gipfel wurden beim Besuch von Donald Trump massenweise Claqueure mit Bussen angekarrt, um Trump zu feiern. Und um damit natürlich das eigentliche Bild der Bevölkerung zu verzerren. Nicht auszudenken, wenn dort die allgemeine Bevölkerung da gestanden wäre. Es geht nicht darum, dass jemand bezahlt wird, sondern dass ein falsches Bild dargestellt werden soll. Häufig greift man hierbei auf parteienfreundliche Gruppen zurück.

Die Kritik Reisinger im Blickfeld

Die ARGE möchte die revolutionären Grundgedanken ihrer Führung gerne auf die Gesamtheit der ARGE übertragen, so die Kritik von Reisinger. Der 1860-Präsident wird wohl kaum auf die Idee kommen, hier tatsächlich bezahlte Stimmungsmacher zu sehen. Seine Kritik ist vielmehr so zu verstehen, dass die ARGE versucht, nach außen ein falsches Bild darzustellen. Es werden bewusst einzelne Personen herausgestellt, die eine gewisse Euphorie entfachen sollen. Die ARGE-Führung spricht davon, dass auf ihrer Aussprache am vergangenen Freitag 100 Prozent den Kurs der TSV-Führung nicht mittragen. Und das ist der Knackpunkt. Hier stellt sich die Frage, wie die Basis das sieht.

Zweifelsohne, die Verwendung des Begriffes “Claqueur” ist in gewisser Weise auch populistisch. Reisinger musste damit rechnen, dass er an diesem Punkt Kritik einstecken muss.

Die ARGE möchte natürlich nun beweisen, dass die Basis hinter ihr steht. Vor drei Wochen wurde angekündigt, alle rund 30.000 indirekten Mitglieder zu befragen. Interessant wäre so eine Umfrage vor allem deshalb, weil die ARGE keine direkte Demokratie hat. Die Mitgliederversammlung wird durch Delegierte besetzt. Dabei ist es irrelevant, ob ein Fanclub nur vier Mitglieder oder über hundert Mitglieder hat. Man hat als Fanclub stets zwei Delegierte. Interessant ist das vor allem auch deshalb, weil häufig eine Brief- oder Onlinewahl für den TSV München von 1860 gefordert wird. Um jedem zu ermöglichen, seine Stimme abzugeben. Dabei kann man als einzelne Person im TSV tatsächlich teilnehmen. Wenn man zur Mitgliederversammlung geht.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
Abonnieren
Benachrichtige mich bei