Es mag für manche bekloppt sein, an einem Samstagmorgen um 5 Uhr aufzustehen, um nach 7 Stunden Reisezeit mit Bus oder Bahn ein Spiel der Dritten Liga anzusehen. Und im Anschluss an das Spiel die gleichen 7 Stunden Rückreise auf sich zu nehmen, um weit nach Mitternacht wieder nach Hause zu kommen.

Noch bekloppter scheint es, wenn man auf einer Fernreise in einer x-beliebigen Autobahn-Raststätte, gleich nach der Erleichterung im Mr. Clean, zielstrebig auf die Kühltheke zuschreitet, um sich markengetreu mit zwei Flaschen August einzudecken. Und erst kurz darauf bemerkt, dass man doch eigentlich gerade mit der Familie in den Urlaub unterwegs ist und obendrein mit dem Fahren dran ist. Hoppla, doch keine Auswärtsfahrt mit den Kumpels. Ich gebe es gerne zu. Ist mir selber so ergangen. Das darf man dann wohl durchaus als Entzugserscheinung diagnostizieren.

Abenteuer Auswärtsfahrt

Wie auch immer. Für die einen mag es bekloppt sein. Für die anderen ist eine Auswärtsfahrt mit seinem Herzensverein die Freizeitgestaltung schlecht hin. Schließlich geht es nicht nur, um 90 min. Fußball und hoffentlich 3 Punkte. Es geht um die Leidenschaft, die man mit vielen Gleichgesinnten auf der Auswärtsfahrt teilt. Der Kreis der Sechzger-Freunde und -Bekannte wird auch durch die Auswärtsfahrten immer größer. Sechzig verbindet. Zweifelsohne. Darauf einlassen muss man sich halt.

Auf das Abenteuer Auswärtsfahrt am kommenden Samstag ins niedersächsische Braunschweig werden sich rund 1.000 Löwenfans einlassen. An die letzte Reise nach Braunschweig am 30. März 2019 und die von den Münchener Löwen organisierte Choreo in der Kurve erinnern wir uns noch gerne.

Leitspruch in der Kurve zur zweiten Halbzeit im Spiel am 30. März 2019: “A echter Münchner is a Sechzger”

Der Verein hat die Fäden in der Hand

Der Profi-Fußball wird bei der Eintracht auch im Rahmen einer KGaA geführt. Inbegriffen sind neben der ersten und zweiten Herrenmannschaft auch die A1 und B1 im Jugendbereich. Großer Unterschied zum TSV 1860 München ist die Verteilung der Anteile. Hier kommt das Fußballunternehmen Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA ohne jegliche externe Beteiligung aus. Sowohl hinter dem durch den Geschäftsführer vertretenen persönlich haftenden Gesellschafter (Komplementär) der Eintracht Braunschweig Management GmbH, als auch dem Komanditaktionär steht zu 100 % der Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V.

Bei der Eintracht hat sich einiges getan

Seit dem letzten Aufeinandertreffen im Frühjahr diesen Jahres hat sich bei der Eintracht einiges getan. Der gerade erst im Herbst 2018 geholte Trainer André Schubert wechselte einen Tag vor dem Trainingsauftakt für die Saison 2019/20 in die zweite Bundesliga zu den Störchen von Holstein Kiel. Trotz der mindestens für Außenstehende überraschenden Trainerflucht blieb man bei den Verantwortlichen ruhig. Neuer Trainer wurde der bisherige Co-Trainer Christian Flüthmann. Mit 37 Jahren ein junger, noch unerfahrener Chef-Trainer und weiteres Beispiel dafür, dass die 3. Liga vielen Übungsleitern als Einstieg in den Profibereich dient.

Unterstützt wird der Chefcoach vom ebenfalls neuen Sportdirektor Peter Vollmann (61 Jahre). Hier hat sich die Eintracht die Dienste eines sehr erfahrenen ehemaligen Fußballtrainers gesichert. Mit Stationen bei Preußen Münster, Hansa Rostock, KFC Uerdingen, Holstein Kiel, Wehen Wiesbaden und dem VfR Aalen verfügt Vollmann über viel Erfahrung im deutschen Profifußball. Sein Netzwerk wird dementsprechend groß sein. Das kürzlich umtriebige Handeln auf dem Transfermarkt lässt in jedem Fall darauf schließen. Am Ende der angesprochenen Transferpolitik stehen 320.000 Euro auf der Haben-Seite. Möglich macht diese positive Transferbilanz der Erlös von einer halben Million Euro für den bereits seit der vergangenen Saison an Union Berlin ausgeliehenen Suleiman Abdullaki. Der 22-jährige Außenbahnspieler darf in der kommenden Saison sein Können in der 1. Bundesliga bei den „Eisernen“ unter Beweis stellen. In wirtschaftlicher Hinsicht ist dieser Transfer ein Segen für die Blau-Gelben. Aber auch aus rein sportlicher Sicht haben sich die Braunschweiger Löwen damit ebenfalls nicht verschlechtert. Im Gegenteil. 

Geballte Offensivkraft

Während man in der Defensive weitestgehend auf den bisherigen Spielerstamm setzt, wurde die Offensive richtiggehend aufgemöbelt. Für die Schaltzentrale zwischen Sturm und defensivem Mittelfeld wurde der Pole Martin Kobylanski ablösefrei aus Münster geholt. Seine drei Tore im ersten Ligaspiel vergangene Woche in Magdeburg lassen hier einen Glücksgriff vermuten. Das ist Kobylanski aber keineswegs. Der frühere polnische U21-Nationalspieler hatte in der abgelaufenen Saison bei den Preußen 12-mal getroffen und war Vorlagengeber für weitere sieben Tore. Von Glück kann da keine Rede sein.

Dass der beidfüßige Zehner Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Eintracht ist, hat man vergangenen Samstag deutlich gesehen. Lauf- und Pass-Wege haben bereits auffallend gut geklappt. Im Zusammenspiel mit seinem neuen Mannschaftskameraden Nick Proschwitz ist das allerdings nicht verwunderlich. Der 32-jährige Mittelstürmer kommt vom SV Meppen und ist in der Dritten Liga bestens bekannt. Für 100.000 Euro haben die Niedersachsen weitere 14 Tore und 3 Vorlagen von einem Mitkonkurrenten der 3. Liga eingekauft. Komplettiert wird die Offensive mit den brandgefährlichen Außenbahnspielern Leandro Putera und Marcel Bär. Der 22-jährige Linksaußen Leandro Putera ist bereits in der vergangenen Saison für die Braunschweiger Löwen aufgelaufen. Allerdings auf Leihbasis. Eine endgültige Verpflichtung ab der neuen Spielzeit war den Niedersachsen 80.000 Euro wert. 

Auf der anderen Seite wirbelt mit Marcel Bär ein nicht minder gefährlicher Spieler. Bär wurde in der Winterpause der abgelaufenen Saison für 300.000 Euro aus Aalen geholt und scheint sich in der Vorbereitung auf dem rechten Flügel durchgesetzt zu haben. Seine Startaufstellung rechtfertigte der 27-Jährige mit einer überragenden Leistung (ein Tor, zwei Vorlagen). Daniel Bierofka wird sich den 4:2-Auswärtserfolg der Braunschweiger Löwen in Magdeburg aufmerksam angesehen haben. Dabei wird ihm die gnadenlose Effizienz der Blau-Gelben aufgefallen sein. Nahezu jeder Fehler der Magdeburger wurde ausgenutzt. Das Zusammenspiel zwischen Kobylanski und den Außenspielern Bär und Putera, welche auch gerne mal zur Verwirrung des Gegners die Seiten wechseln, ist beeindruckend. Da gilt es für unsere Löwen, zu jedem Zeitpunkt des Spiels hellwach zu sein.

In der Innenverteidigung wird es nicht leicht, den Stoßstürmer Nick Proschwitz über 90 Minuten am Torabschluss zu hindern. Möglich ist auch, dass Christian Flüthmann in seinem ersten Heimspiel als Cheftrainer eine noch offensivere Mannschaft als im letzten Auswärtsspiel auf den grünen Rasen des Eintracht-Stadions schicken wird. Auch Orhan Ademi, 11 Tore und 4 Vorlagen schwerer Neuzugang aus Würzburg, dürfte auf einen Einsatz brennen und im Training schon mit den Hufen scharren. Mittelfeldmotor Stephan Fürstner wird bei den Niedersachsen allerdings weiterhin verletzungsbedingt fehlen. Fraglich ist auch der Einsatz von Stammtorhüter Jasim Fejzic, der aus dem Auftaktspiel in Magdeburg eine Gehirnerschütterung davon getragen hat.

Zuhause bleiben und die Punkte mit der Post schicken?

Dass die Niedersachsen aber durchaus verwundbar sind, hat auch das Spiel in Magdeburg gezeigt. Dem Treffer von Sören Bertram zum zwischenzeitlichen Ausgleich ging ein kapitaler Abspielfehler der Niedersachsen im eigenen Defensiv-Drittel voraus. Ebenso wurde das Spiel von den Magdeburgern trotz des deutlichen Ergebnisses von 4:2 bis in die Nachspielzeit offen gestaltet. 

Wir wissen, in einem Drittliga-Spiel ist alles möglich. Auf einen Glücksschuss, wie im Hinspiel, als ein völlig harmloser Freistoß von Philipp Steinhart an Freund und Feind vorbei mittig im Tor der Braunschweiger einschlug, sollten wir allerdings nicht hoffen. Es ist höchste Konzentration gefragt. Bereits ein Fehler könnte gegen diesen Gegner ein entscheidender zu viel sein. Kompakt in der Abwehr stehen, die Räume eng halten und mit schnellem Umschaltspiel über Benjamin Kindsvater und Sascha Mölders immer wieder Nadelstiche nach vorne setzen. Orientieren wir uns an der zweiten Halbzeit gegen Münster, wären Dennis Dressel und Timo Gebhart durchaus Hoffnungsträger für die anstehende Partie in Braunschweig. Vergleichen wir unsere erste Halbzeit mit der Leistung der Blau-Gelben in Magdeburg, dann sollten wir darüber nachdenken, zuhause zu bleiben und die Punkte mit der Post schicken.

Gas geben und an die eigene Stärke glauben

Als Bekloppter denkt man natürlich nicht daran zuhause zu bleiben. Daniel Bierofka und unsere Löwen auf dem Platz, alle samt im sehr positiven Sinne bekloppt, werden sich zerreißen und versuchen, die eigenen Stärken auf den Platz zu bringen. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit und agressivem Zweikampfverhalten den Gegner mürbe machen und zu Fehlern zwingen. Ein fitter Timo Gebhart auf dem Platz könnte unser Spiel nach vorne für unsere Gegner weniger berechenbar machen. Auch ein Stefan Lex, seit diesem Montag wieder im Mannschaftstraining, könnte in Braunschweig zumindest auf der Bank sitzen. Gebt Gas Jungs und glaubt an Euch.

Der ebenfalls positiv bekloppte Anhang in der Kurve, der selbsternannte “Chef der Liga”, wird wieder zahlreich hinter Euch stehen.

Aus der Kurve im Rückspiel gegen die Eintracht in der Saison 2018/19

“…scheiß egal wie weit, ob Sturm oder Schnee, Sechzig München, olé“

Auf geht’s nach Braunschweig, und immer schön an den Gust´l denken, wenn Euer Weg über eine Autobahnraststätte oder Bahnhofshalle führt.    

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1860solution

Wirklich gut gespielt anfänglich. Ich sehe das durchaus Potential. War mehr als unglücklich mit dem Schiedsrichter.

Snoopy.

Ein gutes Spiel der Münchner Löwen. Mit einer Steigerung in der ersten Hälfte so weiter gemacht, wie man gegen Münster aufgehört hat. Über weite Strecken hatten wir den Gegner unter Kontrolle, der Bruch kam, als Weber mit gelb-rot vom Platz musste. Wobei Weber mehr oder weniger für jedes Foul eine Karte bekommen hat. War etwas grenzwertig.

Das hat uns den Fluss genommen, wobei man zu dem Zeitpunkt schon gemerkt hat, dass die erste Hälfte doch einiges an Kraft gekostet hat. Aber man kann auf das, was man heute trotz der Niederlage und trotz der Unterzahl gesehen hat, aufbauen. Vor allem auf Dressel und Greillinger, die beide heute eine explizite Erwähnung wert sein dürften. Und man hat auch gesehen, dass man Kontrolle in der Mitte auch ohne einen Heilsbringer haben kann. Der einzige, der mir etwas Sorgen macht ist Erdmann mit seiner Gelbsucht.

Dennoch muss man der Mannschaft und dem Trainer gratulieren, sie haben einen sehr guten Job gemacht.

Deleted User

Der Schiedsrichter heute ist schon extrem schwach. Zwei klare Gelbe für Braunschweig nicht gegeben, dann eine Ecke für Sechzig nicht gegeben und im Gegenzug Gelb-Rot für Weber. Sehr einseitige Katrtenverteilung. Sehr unprofessionelle Schiedsrichterleistung. Da würde ich als Verband gleich mal schauen, ob es da Unregelmäßigkeiten auf seinem Konto gab oder er sich nächste Woche einen Porsche kauft.

Deleted User

Mölders findet gerade die richtigen Worte und der ist sonst kein Kommunikationsspezialist. Zwickau wird dafür bluten, es sei denn Herr Thomsen pfeift.

Snoopy.

Mölders regt sich auch über den Schiedsrichter auf. Zurecht.

Deleted User

Ob der Geldkoffer noch auf dem Spielfeld übergeben wird? Haufenweise 50-50-Entscheidungen falsch treffen, menschlich, aber das war ein verschobenes Spiel. Hat der Schiedsrichter sonst nur Erfahrung im Schach oder Halma?

Deleted User

90+2, das ist dann noch ein Skoda für die Frau vom Schiedsrichter. Unterirdisch!

Deleted User

Zefix, Gebhart, dann mach ihn halt rein.

Deleted User

Thomsen heißt der künftige Porschefahrer. Den merke ich mir mal. Pfeife!

Deleted User

71. Minute, Braunschweiger hebt ab, bevor Bekiroğlu in der Nähe ist, Freistoß Braunscheiß. Ist das der dritte Porsche oder lebenslang kostenlos tanken?

Snoopy.

vielleicht der erste Ferrari? Oder Lamborgini? 🙂

Deleted User

Ist nicht Volkswagengruppe wie Braunschweig.

Snoopy.

Der verweigerte Lamverleiher (Lam Borg I Ni) ist Volkswagen.

Deleted User

Ach so.

Deleted User

Nummer 33 Braunschweig Elbogen ins Gesicht von Erdmann. Nach den Regeln klar rot, Schiedsrichter lässt weiter spielen. Klar, ohne seine Hilfe ist Braunschweig gar nicht ins Spiel gekommen. Zwei Porsches!

Snoopy.

und einmal einen glasklaren Vorteil beim Foul an Mölders zurückgepiffen.

Snoopy.

Das Spiel läuft jetzt völlig außer Kontrolle.
Die erste Halbzeit hat wohl zu viel Körner gekostet, unabhängig von Mr. Seltsam mit der Pfeife.

Deleted User

Ohne die freundliche Mithilfe des Schiedsrichters hätten wir jetzt ein anderes Spiel gesehen. Seit Biero das sagen hat, habe ich uns nie so gut auf den Gegner eingestellt gesehen. Und ich spare ja sonst nicht an Kritik an den Eigenen. Hier haben sie bis jetzt fast alles richtig gemacht.

Beim 2-1 war der Torschütze frei zwischen Berzel und Erdmann (glaube ich). Das darf nicht sein.

Snoopy.

Ja, stimme ich zu. Die erste Halbzeit war überraschender Weise richtig gut, das Mittelfeld war blau und auch das frühe Pressing hat Wirkung gezeigt. Aber das man diese Spielweise nicht über 90 Minuten gehen kann, dürfte auch klar sein und man hat das auch gemerkt. Wir haben immer mehr die Kontrolle verloren, waren dann in der 2. Halbzeit auch nicht mehr so eng am Mann. Aber die erste Halbzeit war für einen “schon ausgemachten Absteiger” gegen einen “ausgemachten Aufsteiger” richtig gut. Wir waren da definitiv das stärkere Löwenrudel.

Deleted User

Bis zum Platzverweis war das Mittelfeld unser! Und damit habe ich absolut nkchz gerechnet, in keinem Spiel von uns.

Snoopy.

vor allem: ohne Gebhart war es unser.

juergen

Viel Spaß und vielleicht ist ja auch ne Überraschung drin ???
Wir werden im Giasinger mitfiebern…

Auf geht’s Löwen
Kämpfen und Siegen!

Deleted User

Wir zwei treffen uns dann Mittwoch an der Säule…

juergen

Freut mich ?
Ab 5, halb 6

#OHNE HASAN!
#Freiheit für 60!

tami-tes

Eine (Auswärts)Fahrt die ist lustig, eine (Auswärts)Fahrt die ist schön… Bekloppt sind wir schon alle :), aber die Fahrten (mit Freunden oder Gleichgesinnten) machen auch Spaß. Auch wenn man nicht drei Punkte mit nach Hause genommen hat. Ich genieße es jedes Mal.

Was uns morgen erwartet? Alle Zeichen stehen auf Eintracht. Bin gespannt. Hoffe nur, dass sie diesmal nicht wieder die erste Halbzeit verpennen.