Mit einfacher Mehrheit hat die Mitgliederversammlung der DFL heute entschieden, dass die Regelung 50+1 bleibt. Ursprünglich sollte heute keine Entscheidung fallen. Doch die 36 Vertreter der Proficlubs haben entschieden. Großinvestoren dürfen auch zukünftig nicht die Mehrheit an Vereinen bekommen. Das klare Bekenntnis ist durchaus überraschend. Viele sind jedoch begeistert. “Das ist ein tolles Zeichen”, sagte St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig. Sein Verein hatte den entsprechenden Antrag gestellt.

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loewen1860

Gott sei dank gibt’s solche wie den Rettig!

sechzig_ist_kult

Gute Stellungnahme von Andreas Rettig zum heutigen Ergebnis:

“Allen, die es gut mit dem Fußball meinen, kann dieses Ergebnis gefallen. Ich finde, es war ein tolles Zeichen, was hier von der Versammlung ausgeht. Ich glaube, wir sind nicht alleine mit unserer Zufriedenheit. Die Zustimmung für den Erhalt war groß, auch wenn es kontroverse Diskussionen gab. Aber man hat gemerkt, dass letztlich am Ende niemand so richtig gegen die Regel ist.

Es geht um Nuancen. Aber man hat hier einen guten Kompromiss gefunden. Das Signal, was hier von der Versammlung ausgeht, ist wichtig. Man muss auch das Präsidium loben. Es hat hier gut moderiert und das hat ganz klar auch zu einem guten Ergebnis geführt. Der Fußball lebt von Diskussionen. Wir sollten uns heute erst einmal über das Ergebnis freuen. Aber auch das ist herausgekommen: Wir können uns nicht den neuen Entwicklungen verschließen. Auch das hat die kontroverse Diskussion ergeben. Wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen, sondern so, wie wir es besprochen haben, schauen, dass wir eine größere Rechtssicherheit hinbekommen und möglicherweise auch neue Erkenntnisse einfließen lassen, aber immer wichtig unter Beibehaltung der 50+1-Regelung.

Mit der Sorge einer Klage leben wir seit 1999. Bisher gab es noch keinen, der geklagt hat. Das wird ja auch einen Grund haben.”

Quelle (mit weiteren Stimmen): http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/720046/artikel_stimmen_das-signal-ist-wichtig.html (22/03/18)

sechzig_ist_kult

Einerseits natürlich hervorragend, andernfalls sehe ich nun die Gefahr, dass die 50+1 Regel zeitnah durch eine Klage (z.B. Kind!) juristisch herausgefordert werden könnte. Und dann gäbe es sicherlich keine “sanfte Anpassung” mehr. Gerade für uns wäre das aufgrund der speziellen Konstellation (Kooperationsvertragsklausel!) der Worst-Case.

Auf jeden Fall haben wir dadurch natürlich immens an Zeit gewonnen. Allein das ist viel Wert. Mein Wunsch wäre halt, dass Ismaik nun doch irgendwann die Lust an seinem “Spielzeug” (bzw. unserer großen Liebe) verliert und schlussendlich seine Anteile verkauft. Bislang sind ja nicht wenige davon ausgegangen, Ismaik würde lediglich auf den Fall von 50+1 warten, um dann “durchzustarten”… Ich bin heilfroh, dass dieses Szenario zumindest vorerst vom Tisch ist. 😉

Nun gilt es (gerade für uns) zu hoffen, das 50+1 eine etwaige juristische Klage zukünftig übersteht bzw. dass es nie zu einer Klage kommt. Andernfalls könnte Ismaik meines Wissens für einen Symbolpreis die Kontrolle über die GF-GmbH und damit die “Alleinherrschaft” übernehmen. Das wäre dann wahrscheinlich endgültig der Anfang vom Ende. Man was bin ich froh, dass unsere Verantwortlichen dieses Jahr so vernünftig wie seit vielen Jahren nicht mehr agieren. Das möchte ich in der Zukunft definitiv nicht missen. Gerade deshalb wäre es umso bitterer gewesen, wenn genau in dieser Zeit 50+1 kippt.

Wie auch immer, insgesamt bin ich erst mal erleichtert. Pro 50+1!

Deleted User

Zuletzt hatte HI einiges seines Vermögens eingebüßt (lt. Forbes). Wenn er in dem Tempo weiter Geld verliert, hat er nicht mal mehr genug für einen symbolischen Preis, wenn 50+1 doch irgendwann mal fallen sollte. Und soweit ich weiß, hat Hr. Kind zuletzt kein Interesse mehr an einer Klage gezeigt.

sechzig_ist_kult

Martin Kind lässt seinen Antrag momentan ruhen und wartet den weiteren Verlauf einer möglichen Modifikation der Regel ab. Sollte es so kommen, das Kind Hannover letztlich nicht übernehmen kann, halte ich eine Klage für nicht unwahrscheinlich…

Kind nach der gestrigen Entscheidung auf kicker.de:

“Wir können mit dem Ergebnis leben, empfehlen aber nun eine zügige Umsetzung des Themas. Unser Hannover-Antrag basiert auf der DFL-Satzung und der Möglichkeit der Ausnahme von 50+1 nach 20 Jahren. Wir haben keinen Antrag zur Abschaffung der 50+1-Regel gestellt, das wird von Kritikern oft übersehen. Wir warten erst einmal ab, was modifiziert wird, unser Antrag bleibt ruhend gestellt.”

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/720046/artikel_stimmen_das-signal-ist-wichtig.html (22/03/18)

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Laut dem folgenden Link hat Kind allerdings wohl 26 Millionen zu wenig investiert um H96 zu übernehmen.

http://www.pnn.de/sport/1268518/ (20/03/18)

Investor Martin Kind hatte bekanntlich bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantragt, die Stimmenmehrheit im Klub übernehmen zu dürfen. Die DFL knüpft das an diverse Bedingungen, vor allem zeitliche und finanzielle. 20 Jahre lang hätte Kind in 96 so viel investieren müssen, wie es die Hauptsponsoren im selben Zeitraum taten: 46 Millionen Euro. Hat er das?

Am 5. Februar, dem Tag der DFL-Entscheidung, stellte Kind seinen Antrag auf ruhend, was Fragen aufwarf. Vor allem bei jenen, die glaubten, dass Kind doch ausreichend Geld in 96 gesteckt haben müsste.

Die genaue Höhe der Kindschen Förderungen blieb ein Rätsel, der Klubboss selbst erzählte von einem Betrag „weit über 46 Millionen“ – konkret wurde er nicht. Nun enthüllte die „Bild“ mit Verweis auf ein 78-seitiges DFL-Papier, dass Kind lediglich 19,698 Millionen Euro aufgewendet haben soll. Dazu zählen wohl auch „Investitionen“, die den Namen nicht wirklich verdienen: Kinds Gehaltsverzicht als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Klubs etwa.

Weitaus spektakulärer als die klar verfehlte 46-Millionen-Marke ist der Umgang von Hannover 96 mit den Fakten. Schon im Februar wollte Kind den Medien weismachen, er habe den Antrag auf ruhend gestellt, um an einer Neugestaltung der 50+1-Regel mitzuwirken. Und: „Es gab keine Entscheidung der DFL gegen meinen Antrag.“ Die hätte es nach Informationen dieser Zeitung aber gegeben. Warum, scheint nun klar: 19,698 Millionen Euro sind keine 46 Millionen, erläutert auf 78 Seiten.

Sollte also die Regel nicht wesentlich geändert werden und die Zahlen des obigen Berichts stimmen, wird Kind Hannover also nicht ohne weiteres übernehmen können. Dann bliebe ihm eigentlich bloß noch die Klage. Abwarten.

Hoffentlich gelingt es, wie von Rettig gewünscht, die Rechtssicherheit der 50+1 Regel durch geeignete Modifikationen – ohne dabei allerdings den Kern der Regel zu verändern – zu erhöhen bzw. zu gewährleisten. Das wäre aus meiner Sicht das Optimum. Insbesondere für uns, aber auch für den deutschen Fußball bzw. die deutsche Fankultur allgemein.