“Sie nannten mich den Pfeifer, und meine Devise hieß: wenn dir wer vor die Mündung kommt, erst pfeife, und dann schieß …”, so heißt es in einer Ballade von Reinhard Mey. Gepfiffen hat er nun. Aber macht er auch Ernst? Uns sollte allen klar sein, dass am morgigen Dienstag das Anti-Ismaik-Banner nicht verschwunden sein wird. Wer die Fanszene kennt weiß, so etwas ist nicht verhandelbar. Was passiert dann? Ein Kommentar aus dem Urlaub.

Wer ist eigentlich die Geschäftsleitung? Das war die erste Frage, die ich mir beim “offenen Brief” der TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA gefragt habe. Und es wirkt schon ein wenig so, als wollten Marc-Nicolai Pfeifer und Günther Gorenzel nicht alleine gerade stehen für ihre Kritik an den Fans. Von den Gesellschaftern scheint sich in jedem Fall niemand gefunden haben, der mit unterzeichnet hat. Also muss “das Team” herhalten. Ohnehin versteckt man sich gerne unter dem Hashtag #gemeinsam oder dem Wahlspruch “ein Team, ein Weg”. Am Ende ist aber in der KGaA jemand verantwortlich. Und das ist nun mal für solche Themen die Geschäftsführung.

Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar

Mit ihrem offenen Brief gehen die beiden Geschäftsführer einen gefährlichen Weg. Sie betonen, dass die Löwen für Meinungsfreiheit, Toleranz und Gemeinsamkeit stehen. Das ist einerseits lobenswert, andererseits sollte es selbstverständlich sein. Heißt aber tatsächlich nicht, dass es keinen Sinn macht, das immer wieder zu wiederholen. Das ist sogar wichtig.

Der Empfänger und sein Kulturkreis

Allerdings will die Geschäftsführung damit eines: der Anti-Ismaik-Fahne die Meinungsfreiheit entziehen. Das durchgestrichene Konterfei von Hasan Ismaik würde beim “Empfänger und dessen Kulturkreis als Beleidigung und Diskriminierung” ankommen. Was rechtlich als Beleidigung oder nicht angesehen wird, soll also nicht nach unseren eigenen Maßstäben bewertet werden, sondern nach denen der arabischen Kultur? Das ist irritierend. Und überhaupt: Wo fängt das an und wo hört das auf? Wir wissen durchaus welche Werte manche arabische Länder vertreten. Und was ist eigentlich mit unseren Werten? Müssen wir uns als Fans mit der DDR vergleichen lassen? Muss sich ein Präsidium vorwerfen lassen, man sei Rassisten?

Der offene Brief ist eine äußerst fragwürdige und populistische Art und Weise das Anti-Ismaik-Banner als diskriminierend darzustellen. Das kann man einfach nicht so unkommentiert stehen lassen.

Hat die Geschäftsführung die Sache bis zu Ende gedacht?

“Sie nannten mich den Pfeifer, und meine Devise hieß: wenn dir wer vor die Mündung kommt, erst pfeife, und dann schieß …”, so heißt es in der Ballade von Reinhard Mey. Ist Geschäftsführer Pfeifer wirklich bereit seine Drohung wahr zu machen? Denn nichts anderes ist es. Eine Drohung. Dass die Fahne verschwinden soll. Noch pfeift er. Wann schießt er scharf? Man will die Meinungsfreiheit einschränken. Sind Pfeifer und sein Kollege Gorenzel auch bereit von Ihrem “Hausrecht” gebrauch zu machen? Unter dem Deckmantel ihrer ganz persönlichen Interpretation von Meinungsfreiheit. Ein Spiel mit dem Feuer. So wie übrigens auch in der Ballade von Mey.

Die Ballade vom Pfeifer geht übrigens gut aus. Aber auch nur, weil sie am Ende ein Film ist. Aber hört sie euch selbst an …

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Die Ballade vom Pfeifer

Ich ritt aus San Alfredo im letzten Tageslicht
Vielleicht auch aus El Paso, so genau weiß ich das nicht
Seit vierzig Tagen, vierzig Nächten war ich auf der Flucht
In jeder Stadt fand ich mein Bild, darunter stand: „Gesucht“
Sie nannten mich den Stillen, und man flüsterte mir nach
Dass, wenn ich was zu sagen hätte mein Colt für mich sprach

Sie nannten mich den Pfeifer, und meine Devise hieß
Wenn dir wer vor die Mündung kommt, erst pfeife, und dann schieß
Warum ich pfiff, das weiß ich nicht, weiß nicht mal, wie ich heiß
Im Westen ist es niemals gut, wenn einer zu viel weiß
Ich weiß nur, wo mein Lied erklang, da wurden Bretter knapp
Weil jeder Schreiner wusste, dass es Arbeit für ihn gab

Als ich nach Bloody Corner kam, sah ich von weitem her
Die Summe unter meinem Namen hatte zwei Stellen mehr
Ein Prämienjäger sagte: „Pfeifer, ich wart schon auf dich“
Ich fuhr herum, pfiff einen Ton, dann sprach mein Colt für mich
Als wenig später im Saloon mein Achtunddreißiger spie
Da spielte der Mann am Klavier dazu die Melodie

Die Ellenbogen aufgestützt, die Flügeltür im Blick
Stand neben mir ein Fremder, sehr glatt rasiert und dick
„Mann nennt mich hier den Denker“, so stellte er sich vor
Spie lässig in den Spucknapf und sagte mir ins Ohr
„Wenn du zehntausend Dollar brauchst, dann hab ich einen Plan
Todsicher, genial, einfach“, dankbar nahm ich an

Jetzt sitz’ ich hinter Gittern, von Zweifeln angenagt
Vielleicht war doch des Denkers Plan so gut nicht wie er sagt
Er sagte: „Das bringt dir zehntausend Dollar, wenn du’s wagst
Zum Sheriff ins Büro zu gehen, dich vorstellst und ihm sagst“
„Grüß Gott, ich bin der Pfeifer, ich komm selber wie ihr seht
Um die Belohnung zu kassieren, die auf meinen Kopf steht“

Ich sitz auf meines Pferdes Rücken unter dem Galgenbaum
Einen Strick um meinen Hals, der Henker hält mein Pferd im Zaum
Gleich gibt er ihm die Zügel und dann ist’s mit mir vorbei
Der Totengräber gräbt mein Grab und pfeift mein Lied dabei
Der Scharfrichter tut seine Pflicht, mein Pferd setzt sich in Trab
Und unten brüllt der Regisseur

„Verdammte Schlamperei, jetzt ist uns der Ast
Zum dritten Mal abgebrochen, der Film ist auch gerissen
Also Kinder, für heute ist Feierabend
Die Leiche drehen wir morgen ab“

Text und Melodie: Reinhard Mey

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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