Wir vom Löwenmagazin haben eine wichtige Entscheidung getroffen. Wir stellen für die kommenden Wochen die sportpolitische Berichterstattung ein. Das hat einen Grund.

Sträuben gegen die Zukunft

Mit der Demokratie ist das so eine Sache. Umso demokratischer ein Land ist, umso mehr wird hinterfragt, ob sie eigentlich überhaupt demokratisch ist. Gerade in einem demokratischen System vermuten viele, dass die Medien von bestimmten Stellen gesteuert und dass die Politik von Lobbyisten beeinflusst ist. Wir haben das Vertrauen in die Demokratie in vielen Bereichen leider verloren. Verirrt im sozialen Netzwerk werden wir mit bedrohlichen Nachrichten bombadiert. Das Böse kommt auf uns zu. Überall gibt es Krieg. Unser Land wird irgendwann nicht mehr existieren. Propaganda beeinflusst uns. Was wirklich wahr ist und was nicht, das können viele nicht mehr erkennen. Wir sträuben uns gegen die Zukunft und stecken in der Gegenwart fest. Weil wir vielerorts nicht an die Zukunft glauben und immer wieder zurückblicken in die Vergangenheit. Früher war alles besser, früher war alles gut. Doch eine Gesellschaft, die nicht in die Zukunft investiert, der geht die Luft aus. Wir gehen wählen, aber im Prinzip gehen wir nach Hause und meckern genau über diejenigen, die wir gewählt haben. Oder aber wir haben gar nicht gewählt. Weil es für uns keine Alternativen gab. Angeblich.

Der Wahlsieg ist ein Auftrag

Bei der Mitgliederversammlung des TSV 1860 München verhält es sich nicht viel anders. Die Demokratie hat zugeschlagen. Robert Reisinger wurde mit rund 62 Prozent zum Präsidenten gewählt. Diejenigen die gewählt haben sind ruhig. Noch! Aber diejenigen, die ihn nicht gewählt haben oder gar nicht wählen waren, die schimpfen. Das war schon immer so und im Prinzip ist das auch gut. Das ist die Opposition. Die sorgt dafür, dass die Vereinspolitik keine gleichgeschaltete und monotone Richtung einschlägt sondern wachsam bleibt. Auch der Kommentar von Daniel Bierofka war durchaus als Warnung zu verstehen: ein Sieg heißt noch lange nicht, dass man angekommen ist. Ein Wahlsieg ist erst der erste Schritt auf einem langen Weg. Die Arbeit steht dem Präsidium noch bevor. Der Wahlsieg ist ein Auftrag. Von den Mitgliedern.

“Reisinger und Konsorten, verpisst euch!”

Aber bei aller Opposition darf man nicht zum “Bremser” werden. Zweifelsohne, wenn man am Kurs zweifelt, dann sollte man weiterhin kritisch bleiben. Aber man muss auch die Wahl akzeptieren. Man muss die Entscheidung der Mehrheit akzeptieren. Kritik, dass es nicht die Mehrheit sei, weil nur rund etwas mehr als 1.300 von 20.000 Mitgliedern wählen waren, nein, die zieht nicht. Mir kann niemand erzählen, dass von den Nichtwählern grundsätzlich alle weit weg von München wohnen. Robert Reisinger wurde gewählt. Er wurde bestätigt. Und die Beschimpfungen enden nicht. “Reisinger, verpiss dich” – das ist wohl noch eine der harmlosesten Kommentare. Da wird über die Beinkleider von Verwaltungsräten diskutiert oder sich über Berufe lustig gemacht. Und sie zeigen leider die schreckliche Wahrheit unserer Demokratie: So demokratisch wie wir immer tun, sind wir gar nicht. Wenn etwas gegen unseren Willen läuft, dann lehnen wir die Demokratie auch gut und gerne mal ab. Im Übrigen am Besten auf demokratischem Weg. Nur mal so als Warnung: Manche Länder bekommen das ja ganz gut hin.

“Robert Reisinger ist ein ewig Gestriger, er möchte uns in der Regionalliga sehen, weil wir das können!”, war die Kritik noch vor einer Woche. Jetzt spricht er von der Verpflichtung um den Aufstieg mit zu kämpfen und schon wird er genau dafür krisitiert. Seltsam. Manch einer scheint keine Meinung zu haben, er ist einfach gegen alles. Manch einer ist gerne Opposition. So wie manche immer in Bayern gegen die CSU sind.

Die Wahl annehmen

Es geht um den Verein. Und es geht nun darum die Wahl anzunehmen. Egal ob man wählen war oder nicht. Egal ob man für Reisinger gestimmt hat oder nicht. Denn nur das ist die Chance für den Verein. Das heißt nicht, dass man nicht kritisch sein soll. Das heißt nicht, dass man Entscheidungen nicht auch in Frage stellen sollte. Aber es heißt vor allem,mit dieser unnötigen und unfairen Hetze aufzuhören! Mit diesem ewigen Grabenkampf, der allen Seiten nur schadet. Auch der Mannschaft. Auch Daniel Bierofka.

Wir stellen die sportpolitische Berichterstattung ein

Warum können wir nicht alle einfach mal eine Saison uns als Fans voll und ganz auf den Sport konzentrieren? Vor allem jetzt, wo es eigentlich sportlich ganz gut läuft. Ja sicher, die Frage nach mehr Plätzen im Grünwalder Stadion ist noch nicht geklärt. Und auch nicht die Frage, was in der Zukunft für ein Stadion in Frage kommt. Aber lösen wir diese Problematiken, in dem wir alles immer nur kritisieren? Auch im Hinblick auf Hasan Ismaik und den Kooperationsvertrag haben die Mitglieder dem Präsidium einen Auftrag gegeben. Können wir nicht einfach das Präsidium mal machen lassen? Können wir nicht einfach Ruhe einkehren lassen? Weil egal wie wir gegen das Präsidium im Moment wettern und schimpfen, wir erreichen nichts. Wir sorgen nur dafür, dass auch irgendwann einmal ein Daniel Bierofka weg ist. Manchen wäre es vermutlich sogar recht, weil sie dann sagen können: “Ich hab´s Euch ja gesagt!”.

Wir werden die Grabenkämpfe nicht beenden. Zumindest nicht so schnell. Aber wir müssen dem Präsidium eine Chance geben. Das geht am Besten, wenn wir uns einfach mal auf den Sport konzentrieren. Wir im Löwenmagazin werden deshalb, bis auf unsere Themen der Woche, genau das in den kommenden Wochen tun: Volle Konzentration auf den Sport.

Sportpolitische Themen stellen wir hiermit erst mal ein. WIR konzentrieren uns auf den Sport. Und wir hoffen, Ihr seid dabei!

 

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