Der TSV 1860 München trifft am ersten Spieltag der Saison 2022/23 im Rudolf-Harbig-Stadion auf Dynamo Dresden. Das Spiel wird ausverkauft sein. Doch viele Fans fragen sich, ob überhaupt Zuschauer zugelassen werden. Denn es steht noch eine Strafe für Dynamo aus.

Beim Relegationsspiel zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Kaiserslautern musste die Partie für sieben Minuten unterbrochen werden. Fans beider Seiten hatten mächtig Pyro gezündet. Eine Strafe steht noch aus. Gemutmaßt wird, ob der Saisonauftakt der Dresdner ohne Zuschauer stattfinden muss. 2017 musste auch der TSV 1860 München gegen Nürnberg II komplett ohne Zuschauer spielen – aufgrund der Vorkommnisse im Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg.

Choreo von Dynamo Dresden in der Relegation, (c) imago images

Wie wahrscheinlich ist ein Geisterspiel?

Wie wahrscheinlich ist ein Zuschauerausschluss oder gar ein nicht durch Corona bedingtes Geisterspiel? Zum letzten Mal im Profifußball wurde tatsächlich der TSV 1860 mit einem Zuschauerausschluss sanktioniert und diese Sanktion auch im vollen Umfang angewendet.

Danach setzte der damalige DFB-Präsident diese Sanktionierungsmaßnahme aufgrund des vehementen Protests aus der Fanszene aus. Sein Nachfolger Dr. Rainer Koch machte jedoch 2020 klar, dass Zuschauerausschlüsse nicht kategorisch abgeschafft seien. “Seit 2017 verzichtet der Kontrollausschuss im Grundsatz bis auf Weiteres darauf, Sanktionen gegen Vereine zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, die an den Verstößen gegen die Stadionordnung nicht beteiligt waren. Es war aber immer klar, dass Zuschauerausschlüsse als ultima ratio nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. An dieser Maßgabe hat sich nichts geändert.”

Seit dem wurde zum Beispiel gegen Borussia Dortmund eine Bewährungsstrafe aufgrund von “krassen Verunglimpfungen” von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp ausgesprochen. Die Berufung wurde dann widerrufen. Dortmunder Fans waren daraufhin in Hoffenheim nicht als Gästefans zugelassen worden. Allerdings verpuffte die Strafe ohnehin aufgrund von Corona.

Zuschauerausschlüsse nicht kategorisch abgeschafft

Koch argumentierte, dass diese Maßnahme notwendig sei “da andere Sanktionen offenkundig nicht das Zeigen dieser schwer beleidigenden Banner verhindern konnten.” Der Auslöser des Bewährungswiderrufs war laut Koch “nicht der Wille zur Wiedereinführung von Zuschauerausschlüssen durch den DFB, sondern das wiederholte krasse und nicht hinnehmbare Fehlverhalten von Dortmunder Zuschauern beim Spiel am 20. Dezember 2019 in Hoffenheim – unter anderem die Darstellung Herrn Hopps im Fadenkreuz”, so der einstige DFB-Präsident. “Es wurde im Übrigen immer klar kommuniziert, dass Zuschauerausschlüsse nicht kategorisch abgeschafft sind.”

Diskussion um Kollektivstrafen

Sollte gegen Dynamo Dresden ein kompletter Zuschauerausschluss beschlossen werden, ist die Diskussion über Kollektivstrafen wieder in vollem Gange. Nachdem Rainer Koch nicht mehr dem DFB-Präsidium angehört, wird man hier nun auch mit Spannung erwarten, wie der aktuelle Präsident Bernd Neuendorf mit dieser Thematik umgeht. Denn auch wenn das DFB-Sportgericht die Entscheidung über die Sanktionierung trifft, ist es auch eine Frage wie das Präsidium damit umgeht.

Zuletzt schrieb der DFB: “Es ist seit 2017 die noch immer gültige Linie, bei Zuschauerfehlverhalten im Stadion primär gegen die Täter vorgehen zu wollen. Das Sportgericht und der Kontrollausschuss können die Täter aber oft nicht selbst ermitteln und fast nie auf direktem Wege gegen Zuschauer vorgehen, da diese oftmals keine Mitglieder des Verbandes sind und auch keine Tickets beim Verband gekauft haben. Das kann daher nur der Verein. Deshalb sanktioniert der Verband den jeweiligen Verein, der nach den Statuten die Pflicht hat, Zuschauerfehlverhalten zu unterbinden und gegen die Täter vorzugehen. Das Sportgericht verhängt in der Regel zunächst Geldstrafen gegen den Verein, die Satzung erlaubt Geldstrafen bis maximal 250.000 Euro. Zuschauerausschlüsse sind immer nur das letzte Mittel.”

Mehr Informationen

Zuschauerausschlüsse sind immer nur das letzte Mittel :: DFB – Deutscher Fußball-Bund e.V.

Artikel zur Thematik im Löwenmagazin

DFB: Keine Kollektivstrafen mehr für Fußballfans

Geisterspiel: Falsches Signal an die Fans

Vereine haften für Pyro: DFB-Interimspräsident Koch zufrieden mit Urteil des Bundesgerichtshof

Dachverband der Fanhilfen e.V.: “Mittelalterliche Sippenhaft des DFB bleibt erneut unangetastet”

Titelbild: imago images

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