Ein Kommentar

Beleidigungen und Morddrohungen gegen Funktionäre

Über 300 Kommentare hat eine Gruppe engagierter Internet-Aktivisten in den sozialen Netzwerken, Blogs und Foren gesammelt und teilweise auch schon ausgewertet. Alle im Hinblick auf die Fanszene des TSV 1860 München. Mit erschreckenden Erkenntnissen. Falsche Anschuldigungen, übelste Beleidigungen oder sogar aktive Morddrohungen sehen sich vor allem Funktionäre des TSV 1860 München ausgesetzt. So rät zum Beispiel ein Kommentator, dass sich die Funktionäre am Besten einige Monate verstecken sollen, es könne sonst gefährlich werden. Und es geht noch deutlich konkreter. Ein User merkt an, dass er bei der Geschäftsstelle vorbeischauen würde. Morgen könne man dann von denen berichten, die im Krankenhaus eingeliefert worden sind. Ein anderer rät den Funktionären lieber, auf Polizeischutz zu vertrauen. Und in einem anderen Kommentar werden Namen genannt, die auf der Intensivstation landen würden. An anderer Stelle wird bewusst von “totschlagen” gesprochen, also eine klare Morddrohung. Nur ein Bruchteil aus tausenden von Kommentaren, die mit Screenshots über Monate gesammelt wurden. Sehr viele davon erfüllen den Tatbestand einer Straftat. Die letzte Morddrohung ist gerade mal 2 Tage alt. Und auch sie müsste nach § 241 Bedrohung des StGB geahndet werden. In der Zwischenzeit ist sie verschwunden. Das ändert jedoch nichts am Tatbestand.

Beleidigungen und Morddrohungen sind Tagesgeschäft beim TSV 1860 München.

Es kann durchaus sein, dass sich unter den Anhängern des TSV 1860 München auch solche darunter befinden, denen jedes Mittel recht wäre. Und die auch nicht davor zurückschrecken, sich strafbar zu machen. Nämlich damit, dass sie drohen. Eine Morddrohung in dieser Form wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft. In der scheinbaren Anonymität scheint dann der eine oder andere zu glauben, er hätte Narrenfreiheit. Das ist natürlich nicht der Fall, auch wenn sich einige vermeintlich geschützt fühlen. Es könnte jedoch auch Methode haben. Was nicht weniger erschreckend wäre.

Hat die Sache Methode?

Wir haben in den vergangenen Tagen mit einigen Experten geredet. Kenner von sozialen Netzwerken und Aktivisten im Internet. Und da gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen sind der Meinung, dass es tatsächlich zu einer großen Fanspaltung gekommen ist und beide Seiten sich in der Waage halten. Allerdings ist es schwer, einzelne Fans zu kategorisieren und in Schubladen zu stecken.

Andere wiederum sind der Meinung, dass dahinter Methodik steckt. Denn viele Kommentare ähneln sich im sprachlichen Aufbau. Es könnte auch durchaus sein, dass man bewusst Unruhe stiften will.

Mit welchem Ziel, wenn die e.V.-kritische Seite nicht so groß ist, wie man vermutet? Was würde das für einen Sinn machen, denn es würde ja die aktive Szene eher festigen?

Wahrscheinlich auf der einen Seite, um die aktive Fanszene und auch Funktionäre zu provozieren und zu unbedachten Handlungen herauszufordern, was wiederum der negativen Berichterstattung zugute kommt. Und auch um Druck auszuüben. Zum anderen um die gemäßigte Mitte der Fans immer wieder zu verunsichern und Zweifel zu schüren. Denn viele Fans stehen weder auf der Seite von Investor Ismaik, noch auf der Seite von Funktionären. Sie wollen einfach das Beste für ihren Verein.

Der Kampf um die zentrale Mitte

Fanspaltung nach Methode? Dabei würde es nicht darum gehen zum Beispiel die e.V.-unterstützenden Fans von den Befürwortern des Investors Ismaik noch mehr zu spalten, sondern darum, die zentrale Mitte der Fans sowohl von der aktiven Szene als auch von den Funktionären gedanklich zu isolieren.

Von Investoren-Seite gibt es keine offiziellen aktiven Handlungen. Man hat sich bewusst jeglicher Ansatzpunkte für Kritik entzogen. Im Raum sind alte Anschuldigungen im Hinblick auf den Abstieg und die Zeit davor. Aber die Zeit spielt hier eine wichtige Rolle. Die Sache “verwisch” und viele Fans leben, und das ist auch gut so, im “hier und jetzt”. Aktuell bietet eben nur der e.V. eine Angriffsfläche, obwohl er eine ähnliche Strategie fährt und zumindest wenig in der Öffentlichkeit preisgibt. Fakt ist jedoch, dass man mit Berichten immer wieder am e.V. und seinen Funktionären den Hebel ansetzen kann, nicht andersherum. Das könnte seitens des Investors durchaus ein probates Mittel sein, zu dem seine PR-Agentur geraten hat. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Klares Bekenntnis zum Verein ohne Polarisierung

Vollkommen klar ist, dass die aktive Fan-Szene sich kämpferisch zeigen möchte. Darunter fällt auch das sogenannte “Scheich-Lied”. Man kann durchaus unterschiedlicher Meinung über dieses Lied sein, Fakt ist jedoch, dass es aktuell im Hinblick auf die zentrale Mitte der Fans nicht hilfreich ist. Das spürte man auch in der Stehhalle, wo die Meinungen auseinander gehen. Es wird für die aktive Fanszene schwierig, denn sie möchte klar Stellung beziehen. Um die zentrale Mitte jedoch für sich zu gewinnen, muss sie möglichst wenig polarisieren. Das gelang mit der Spendensammlung für Olaf Bodden zum Beispiel ausgezeichnet gut. Eine Aktion, die in der zentralen Fan-Mitte gut ankommt. Man sollte die “Ultra-Politik” also strategisch gesehen besser verschieben. Zum Beispiel auf Themen im Hinblick auf den DFB oder die Stadt.

Am Freitag wird über den Antrag im Hinblick auf den Kooperationsvertrag verhandelt. Das Ergebnis spielt für die Kritiker keine Rolle. Sollte es tatsächlich taktisch das Ziel sein, die zentrale Fan-Mitte zu manipulieren, dann wird die anschließende Berichterstattung dementsprechend angepasst. Egal wie das Ergebnis ist, der e.V. kann also nur verlieren. Es sei denn, in der Fanszene gelingt es uns, möglichst vielen Fans klar zu machen, dass einige Berichterstattungen klare Ziele verfolgen. Nämlich den Verein in Misskredit zu setzen und die zentrale Fan-Mitte zu beeinflussen. Es geht nicht darum, auch nur annähernd an einer Zukunft mitzuarbeiten.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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