Ein Kommentar

“Augen auf, Löwen!” heißt ein Artikel auf dieblaue24. Ein Beitrag bei dem viele sagen: “Jetzt fängt er schon wieder an zu hetzen!” Oliver Griss, dessen Namen ich sogar in der U-Bahn höre, wo Fans “Scheiß auf den Griss, scheiß auf sein Blog …”, singen. Als ich die jugendlichen Fans darauf aufmerksam mache, dass die Leute drumherum durchaus respektieren, wenn man Fangesänge in der Bahn anstimmt, sie mit solchen “Liedern” eher weniger anfangen können, werde ich als “Grissmaikaner” beschimpft. Eigentlich schon ironisch.

Augen auf, Löwen!

Mit “Augen auf, Löwen” hat der Blogger wieder angefangen zu hetzen, so sagt man. Und deshalb habe ich diesen Artikel mehrmals durchgelesen. Immer und immer wieder. Weil ich verstehen will, was unsere Grabenkämpfe, die wir in der Fanszene haben, eigentlich bedeuten. Weil ich die Fans verstehen will. Und weil es mir vor allem darum geht, dass niemand irgendjemand anderem blind folgt. “Augen auf, Löwen!” – der Titel gefällt mir nicht. Das gebe ich zu. Aber egal wie oft ich den Text lese, ich komme immer wieder zum Entschluss, dass dort mehr Wahrheit drin steckt als wir uns eingestehen wollen. Zugegeben, als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe, da hatte ich auch mit dem Kopf geschüttelt. Und auch andere im Löwenmagazin hatten kein Verständnis für “Augen auf, Löwen!”. Wenn ich ehrlich bin, vor allem wegen den Kommentaren darunter. Betrachte ich die Sache differenzierter, dann bekomme ich jedoch einen anderen Blick.

Das schockiert Euch? Vergesst doch bitte einmal, wer ihn geschrieben hat. Und lest nicht die Kommentare, die teilweise absolut unter der Gürtellinie sind. Hier liegt vor allem die Hetze begraben. Dass man dafür eine Basis geschaffen hat, das ist fragwürdig. Aber das ist ein anderes Thema. Betrachtet nur die Fakten im Beitrag.

Hurra, wir sind abgestiegen

“Hurra, wir sind abgestiegen”, schreibt Die Zeit. Ich weiß nicht, wieso sich ein Journalist herausnimmt, diese Worte in den Mund der Fans zu legen. Wer von uns war wirklich nach dem Relegationsspiel froh, dass wir abgestiegen sind? Ich persönlich war für einen Neuanfang. Ich wusste in der vergangenen Saison, dass etwas geschehen muss. Aber der Abstieg hat mich tief getroffen und ich weiß, dass es anderen Fans genauso ging. Zum Jubeln war mir überhaupt nicht zumute. Und selbst jetzt würde ich niemals sagen “Hurra, wir sind abgestiegen”. Auch wenn ich mich aktuell mit der Regionalliga durchaus identifizieren kann.

Die vielleicht schönste Geschichte dieses Sommers

“Die vielleicht schönste Geschichte dieses Sommers”, schreibt der Journalist von Die Zeit und auch dem kann ich in keiner Weise etwas Positives abringen. Zugegeben, ich bin wahnsinnig glücklich, wenn ich im Grünwalder Stadion bin, die Fans jubeln und die Mannschaft auf den Rasen tritt. Aber die aktuelle Stimmung zur Grundlage zu nehmen, es wäre “die vielleicht schönste Geschichte dieses Sommers” ist proletarischer Nonsens. Als wäre uns Fans alles um uns herum egal. Als wären wir Lemminge. Als wären wir wie Junkies, die von einem Kick zum anderen leben und uns völlig egal wäre, dass wir hochverschuldet sind. Seien wir mal ehrlich, wenn wir im Grünwalder Stadion sind, dann verdrängen wir es durchaus, dass es unserem Verein eigentlich finanziell miserabel geht.

“Es ist die Stunde der Fußballromantiker. In zwei Monaten sind mehr als 2000 Leute in den Verein eingetreten”, schreibt Die Zeit. Und irgendwie klingt das so, als wären das alles frustrierte Fans gewesen, die sich wegen Hasan Ismaik abgewendet haben und nun zurück sind. Nun ja. Viele Fans sind einfach Mitglied geworden, weil sie gesagt haben: “Wir sind abgestiegen? Uns ist das egal. Jetzt erst recht. Jetzt werde ich Mitglied”. Nicht weil sie Fußballromantiker sind, sondern weil sie hinter ihrem Verein stehen.

“Sich allein hinter dem Grünwalder Stadion und den tollen Löwen-Fans zu verstecken, ist keine Lösung”, schreibt dieblaue24. Dieser Satz gefällt mir nicht. Ich hätte ihn anders formuliert. Weil er definitiv polarisiert. Aber es steckt so viel Wahrheit dahinter. Es geht nicht darum, dass man sich hinter den Löwen-Fans versteckt, sondern vielmehr hinter der Euphorie. Stück für Stück verdrängen wir, dass wir hochverschuldet sind. Und die Politik der ruhigen Hand, die ich bislang als so positiv dargestellt habe, könnte auch zum Boomerang werden. Weiß irgendjemand von den Fans, ob der Verein in irgendeiner Weise ein Konzept für die Zukunft hat? Im Moment lebt jeder im “Hier und Jetzt”. Wir sind wie Kinder, die am Tisch unserer Eltern sitzen und nicht wissen, dass Papa arbeitslos ist, sich Gedanken darüber macht, wie er die Familie ernähren soll. Um seine Kinder nicht zu beunruhigen, sagt er nichts. Aber mit Sorge denkt er an Weihnachten, weil er nicht weiß, ob er Geld für Geschenke haben wird.

Wie sieht die Zukunft aus?

Oder ist es anders? Gibt es einen Plan? Ist die Zukunft gesichert? In jedem Fall schreibt niemand etwas oder macht den Mund auf. Über Hasan Ismaik wissen wir, dass das Präsidium mit ihm sprechen möchte. Von Gerhard Mey und seinem möglichen Konzept hört man gar nichts. Soll mich das beruhigen? Wenn ich am Dienstag im Giesinger Bräu nach der Arbeit ein Bier trinke, beim Trepperl-Wirt noch vorbei schaue und danach ins Grünwalder Stadion gehe, dann ist mir das zweifelsohne egal. Dann zählt der Sport, die Mannschaft, die Fans. Und das Stadion. Aber ich kann als Fan doch nicht immer von Spiel zu Spiel leben. Wir Fans wollen irgendwann schon mal hören, wo eigentlich der Zug hingeht.

Dem Verein gelingt es nicht, bestimmte Verantwortungsbereiche klar voneinander abzugrenzen. Es gibt einige im Verein, deren Arbeit ich sehr schätze. Aber die eben in vielen Positionen in verschiedenen Vereinen sitzen. Diesen Punkt spreche ich auch bei einer der Initiatorinnen von “Löwen-Fans gegen Rechts” an. Sage ihr, dass es taktisch nicht klug ist, wenn bestimmte Posten von den gleichen Personen besetzt werden. Auch der Artikel in Die Zeit ist Thema. Sie reagiert beleidigt, hält meine Argumentation für kindisch und lädt das Löwenmagazin dann von der nächsten Giesinger Stadtteilführung aus. Und bestätigt im Grunde vor allem meine Kritik. Sie fühlt sich als “Löwen-Fans gegen Rechts” angegriffen und lädt mich als “Freunde des Sechzger-Stadions” aus. Sei´s drum. Dann halt nicht.

Beendet das Schwarz-Weiß-Denken

Die Fans müssen lernen, sich vom Schwarz-Weiß-Denken zu verabschieden. Es gibt nicht nur die eine oder andere Seite. Man kann durchaus auch hinter dem Präsidium stehen und trotzdem kritisch hinterfragen. Man kann die Arbeit von den “Freunden des Sechzger-Stadions” oder der “Löwen-Fans gegen Rechts” für gutheißen und dennoch Kritik üben. Wenn man das nicht mehr kann, dann gibt es Stillstand. Eine gesunde Selbstkritik ist wichtig. Und vor allem ist es wichtig, den Fans nicht die schöne heile Welt vorzugaukeln. Die haben wir nämlich nicht.

Und dennoch freue ich mich auf Dienstag. Freue mich auf das Spiel. Die vielleicht schönste Geschichte dieses Sommers ist es nicht. Wir alle genießen den Moment. “Hand auf´s Herz”, sage ich. Wir wollen den Augenblick genießen, wollen aber hören, dass es für unsere Zukunft Hoffnung gibt.

Gerne dürft Ihr darüber diskutieren. Auf hoffentlich sachlicher und fairer Basis.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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