Der TSV 1860 München empfängt am heutigen Freitag den FC Erzgebirge Aue. “Hungrige Löwen gegen welke Veilchen”, so die Überschrift im Forum von transfermarkt.de bei den Fans von Aue. Klare Sache auf Giesings Höhen oder kommt der FC Aue ausgerechnet gegen die Löwen wieder auf die Beine?

“Hier taumelt ein angeschlagenes Team ohne Selbstbewusstsein mit einem Trainer auf Bewährung ins Münchner Stadion und 1860 kann sich eigentlich nur darauf freuen, die Scharte aus dem Spiel in Elversberg durch einen überzeugenden Sieg wieder auszuwetzen”, schreibt Transfermarkt-User Arzgebirger. Die letzte Hoffnung setzt er in die Geschichte des angeschlagenen Boxers, den man nicht unterschätzen sollte. Dabei sei die Niederlage der Löwen gegen Elversberg allerdings nicht hilfreich. Die Gefahr der Selbstüberschätzung “wurde durch die klare Niederlage dort sicher stark gemindert”. Die Mannschaft aus Aue müsse sich an der Grünwalder Straße quasi für den Trainer zerreißen, wenn sie hundertprozentig hinter ihm stünde.

Dass Michael Köllner die Veilchen unterschätzt, ist tatsächlich eher unwahrscheinlich. Und dabei scheint vermutlich auch die letzte Niederlage durchaus hilfreich. Vielleicht ein Weckruf zur richtigen Zeit, dass man immer Vollgas geben und immer hellwach sein muss, wenn man aufsteigen möchte. Und niemanden unterschätzen darf. Auch nicht das Schlusslicht, das in acht Spielen bislang keinen einzigen Sieg erlangen konnte. Bei Aue brennt es lichterloh. In München ist für Trainer Timo Rost sicherlich das zukunftsweisende Spiel. Es ist nicht anzunehmen, dass er bei einer Niederlage noch Trainer bleibt. Es gibt viel Druck bei Aue. Vor allem von Fans. Aber auch von Sponsorenseite. Beide schrieben sie offene Briefe.

Über 40 Auer-Fanclubs schreiben offenen Brief

“Wir, die zeichnenden Fanclubs, machen uns nicht erst seit dem letzten Heimspiel große Sorgen um die Zukunft unseres Vereins”, so die Fanclubs von Aue. “Wir haben leider keine Zuversicht mehr, dass die Verantwortlichen in der Lage sind, den Niedergang aufzuhalten und nachhaltig in die Erfolgsspur zurück zu kehren”, heißt es: “Das betrifft sowohl den sportlichen Bereich als auch den viel beschworenen Zusammenhalt des ´Kumpelvereins”. Vielmehr scheint der Verein im Inneren tiefgehend zerstritten und gespalten”. Die Fanclubs sehen eine sportliche Kapitulation. Man fordert den geordneten Rücktritt des Vorstandes sowie die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Sponsoren fordern personellen Neuanfang

Gestern legten die Sponsoren nach. Knapp 30 Unternehmen haben sich an den amtierenden Vorstand gewandt. „Einzelentscheidungen, ohne ausreichend Fachkenntnis, personelle Fehlgriffe, die oft nur durch kostspielige Vertragsauflösungen korrigiert werden konnten, der fehlende Aufbau von professionellen Strukturen, keine funktionierenden Kontrollmechanismen und letztendlich die fehlende Transparenz gegenüber den Mitgliedern und Sponsoren – alles Dinge die mitunter seit Jahren eingefordert wurden, auch immer wieder Kritikpunkt in Mitgliederversammlungen waren, leider ohne Reaktion der handelnden Personen im Vorstand und Aufsichtsrat”, so der Vorwurf. Man fordert einen personellen Neuanfang. “Es besteht weitgehende Einigkeit bei Fans, Mitgliedern und Sponsoren! Kritische Stimmen wurden in den vergangenen Jahren nie ernsthaft zugelassen. Das Ergebnis ist die aktuelle sportliche Situation!”

Den Löwen muss es egal sein. Sie müssen Köllners Idee auf den Platz bringen. Die aktuelle Lage bei Aue ist Chance und Gefahr zugleich. Das wissen Köllner und seine Mannschaft. Dieses Spiel fordert vollste Konzentration.

Alle Infos zum Spiel findet ihr in unserem Spieltags-Artikel: 3. Liga 22/23 – 9. Spieltag: TSV 1860 – Erzgebirge Aue (loewenmagazin.de).

Titelbild: IMAGO / Jan Huebner

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