Spruchbänder der Ultras: Sportpolitische Botschaften

Es sind Themen, die unsere Ultras neben den Geschehnissen auf dem Platz interessieren und deshalb oft auf Bannern in der Westkurve oder der Gästekurve bei Auswärtsspielen zum Ausdruck gebracht werden. Grüße an Spieler, nette Anspielungen oder Anekdoten. Aber auch sportpolitische Themen, die mittel- oder unmittelbar mit dem Verein und dem Fußball zu tun haben. Unsere Sechzger-Ultras geben sich dabei Mühe und kommen oft mit ideenreichen Sprüchen oder Parolen. Es sind nur wenige Minuten, in denen man die Spruchbänder sehen kann. Nicht einmal im Stadion bekommt sie jeder mit. Noch viel weniger diejenigen Fans, die daheim geblieben sind. Für uns als Löwenmagazin ist es deshalb wichtig, dass wir auch solche Eindrücke einfangen, sofern es uns gelingt. Ob wir den jeweiligen Sprüchen zustimmen, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Unser Problem mit Euch: Korruption

Bereits im März bestätigte die UEFA zwei Kandidaten für die Fußball-Europameisterschaft 2024: Deutschland mit seinem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie die Türkei mit dem Türkiye Futbol Federasyonu (TFF). Der Deutsche Fußball-Bund, der mit einer noch immer eigentlich ungeklärten WM-Affäre in der Kritik steht und auf der anderen Seite die Türken, die nicht nur mit Spielmanipulationen zu kämpfen hatten, sondern die freie Presse- und Meinungsfreiheit ein wenig anders interpretiert als die Mehrheit der anderen Mitglieder in der UEFA.

Unsere Fans interessiert natürlich vor allem der DFB. Dass die Staatsanwaltschaft nicht mit deutlich mehr Eifer in dieser Affäre agiert, verwundert. Und macht Fans durchaus wütend. Mit der Transparenz und dem Willen um Aufklärung hat es der DFB nicht so wirklich. Jahrelang wurden Details systematisch vertuscht. Und auch heute läuft die Aufklärung schleppend. Für die Fans aller Fußballvereine ist das definitiv nicht zufriedenstellend. Und es verhindert die Bemühungen des DFB eine gemeinsame Basis zu finden.

Es wirkt schon fast lächerlich, wenn der DFB über die Aussetzungen von Kollektivstrafen großzügig debattiert, das Kernproblem jedoch nicht anpackt: die Korruption. Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung erwartet für die Abstimmung zur Europameisterschaft 2024 keine Fairness. Über den Gastgeber entscheiden Funktionäre der UEFA. Einige sind durchaus noch Kernfiguren im Affärengewirr der sportpolitischen Korruption. Ein Volkssport wird ad absurdum geführt. Viele Fans können sich deshalb überhaupt nicht mit dem DFB identifizieren, was wichtig wäre. Der DFB hat hier eine große, fast schon unlösbare Aufgabe vor sich.

Ein abgewatschter Giesinger Amigo hat die WM 2006 gekauft

Ein Schmunzeln geht durch die Ostkurve im Stadion am See in Garching, als das Spruchband ausgerollt wird. Die Meisten wissen wer gemeint ist. Mit 13 Jahren bekam kein Geringerer als Franz Beckenbauer eine ordentliche “Bockfotzn” am Trainingsgelände des TSV 1860 München. Es war im Jahr 1958. Der Jugendspieler vom SC 1906 München plante einen Wechsel zu Sechzig. In einem Streit mit dem Spieler Gerhard König bekam er eine Ohrfeige. Kurz danach änderte er seine Pläne und wechselte zum FC Bayern München. Dort ist er bis heute einer der wichtigsten Spieler gewesen und in der Gegenwart ein bedeutender Funktionär. Nicht nur für den FCB, sondern auch für den deutschen Fußball.

5,5 Millionen Euro Honorar für ein Ehrenamt

Beckenbauer hat recht viel mit den Korruptionsvorwürfen rund um die WM 2006 zu tun. Laut Spiegel soll er als Chef des Organisationskomitees satte 5,5 Millionen Euro Honorar bekommen haben. Bis zur Enthüllung dieser Summe hatte er noch vehement behauptet, er würde ehrenamtlich diesem Komitee vorsitzen. Der Fall wurde noch viel brisanter, als die Tatsache publik wurde, dass er diese Einnahmen erst vier Jahre später versteuerte. Im Fall der WM werfen viele Beckenbauer vor, er habe die Meisterschaft gekauft. Beckenbauer verteidigt sich damit, dass er als Vorsitzender des Komitees belastende Dokumente zwar unterschrieben, aber nie gelesen habe.

Wir möchten darauf gar nicht weiter eingehen. Doch wir unterstützen die Ultras in ihrem Bestreben, solche Themen in die Erinnerung zurückzurufen. Es sind Parolen des kleinen Mannes. Es sind Botschaften der treuen Fans in der Kurve. Kleine Seitenhiebe in Richtung des oft ungeliebten DFBs. Die in ihrer Gesamtsumme, betrachtet man die Fanszenen in ganz Deutschland, hoffentlich Druck auf den DFB ausüben. Korruption ist ein ernstzunehmendes Thema im so geliebten Fußball.

 

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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