Ein Kommentar

Robert ReisingerEs wird die wohl schwierigste Aufgabe in seiner bislang noch recht kurzen Amtszeit. Aber die Mitgliederversammlung als oberstes Organ des Vereins hat ihm einen klaren Auftrag gegeben. Und dieser muss umgesetzt werden. Es geht um den Kooperationsvertrag mit dem Investor Hasan Ismaik. Dieser muss, so die Mitgliederversammlung, in den nächsten sechs Monaten gekündigt werden. Eine Mammutaufgabe, zeigte sich Hasan Ismaik bislang als Investor weder wirklich kooperativ noch einsichtig, was die Belange und Probleme des Vereins angehen. Einige seiner Forderungen waren schlichtweg nicht erfüllbar. Auch um diese Forderungen soll es in einem Gespräch zwischen dem Präsidium und dem Investor gehen. Es ist also viel zu tun.

Hasan Ismaik, der unlängst für viele quasi zum Feind wurde. Im Endeffekt, weil er sich in vielen Bereichen nicht wirklich als ehrlich bewiesen hat. Die Hauptschuld der Misere im TSV 1860 München ihm anzukreiden, wäre jedoch falsch. Jahrelange Mißwirtschaft und Vereinsmeierei haben den Verein in seinen heutigen Zustand gebracht. Die Investitionen durch Hasan Ismaik haben das bereits vorhandene Loch nur noch mehr aufgerissen. Die Schulden sind höher als je zuvor.

„Wir sollten mal über den Antrag reden“,sagt Reisinger der tz München.

Ob es klug von Robert Reisinger ist, der tz München in diesem Augenblick Rede und Antwort zu stehen, das mag man sehen wie man will. Die Politik der ruhigen Hand hat allen gut getan. Die erste Mannschaft macht Freude, sportlich funktioniert es und das Grünwalder Stadion präsentiert sich, trotz vieler Baustellen, von einer guten Seite. Aber im Endeffekt muss Reisinger nun reagieren. Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung sind bindend. Der Antrag über die Aufkündigung des Kooperationsvertrages wurde angenommen und muss nun umgesetzt werden. Dass er mit Hasan Ismaik nun das Gespräch suchen wird, ist zwingend notwendig. Und das hat er noch einmal mit seinen Worten an die Presse bestätigt.

tz München: Reisinger über Ismaik: „Sollten über den Antrag reden“

Man kann nur hoffen, dass Hasan Ismaik einsichtig ist. Nicht einsichtig im Hinblick auf die Vergangenheit. Man hat ihn ganz klar über den Tisch gezogen und ich kann durchaus verstehen, dass er gekränkt ist. So viele Millionen hat man in den Sand gesetzt. Dass er die falschen Berater hatte, die er sich selbst ausgesucht hat, das mag man nicht bezweifeln. Aber es ist viel mehr dahinter. Der Verein hat ihn ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Zweifelsohne, nicht der Verein an sich. Sondern einzelne Personen. Und auch nicht diejenigen, die nun die Vereinsführung inne haben. Aber das macht es nicht besser. Reisinger und sein Präsidium, aber auch der Verwaltungsrat, stehen für den Verein. Und sie müssen natürlich auch eingestehen, dass in den vielen Jahren seit Wildmoser unglaublich viele Fehler gemacht wurden. Wenn man das nicht tut, sondern sich ausschließlich darauf konzentriert, in einem Investor den Schuldigen zu suchen, dann sieht es mit der Zukunft des Vereins düster aus. Man muss nicht nur aus der Fehlinvestition, sondern auch aus der Zeit, die zu dieser Investition geführt hat, lernen. Denn machen wir uns nichts vor: Ein Hasan Ismaik wäre nie gekommen, wenn der Verein damals nicht am Boden gelegen wäre.

Der TSV 1860 München. Ein Arbeiterverein, auf dessen Rücken sich Leute profilieren wollten, die mit dem Arbeitertum meist herzlich wenig zu tun hatten. Irgendwo war immer ein Unternehmer oder Mittelständler. Es braucht eine gesunde Führung mit klarem Verstand. Und auch die Frage nach einem guten sportlichen Geschäftsführer wird bald im Raum stehen. Markus Fauser ist nur temporär im Verein. Wenn die Gespräche mit Hasan Ismaik geführt wurden, dann müssen weitere Entscheidungen getroffen werden. Schwere Entscheidungen. Denn der Verein ist hoch verschuldet. Nein, man kann Robert Reisinger definitiv nicht beneiden. Diesem Verein als Präsident vorzusitzen heißt eben nicht nur, dass man bei der dritten Mannschaft am Spielfeldrand sitzt und diese bejubelt, weil man mal bei deren Gründung mit dabei war. Auch wenn manche in unserem Präsidenten das gerne sehen. Der “freudenstrahlende eVler, der sich über seinen großen Sieg freut”. Nein, die Arbeit ist viel bedeutender und komplexer. Und das wird man in den kommenden Wochen und Monaten noch zu sehen bekommen.

Wir können als Fans und Mitglieder dem Präsidenten nur wünschen, dass er ein glückliches Händchen hat, was den Investor angeht. Und auch was die Zeit danach betrifft.

 

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