Erstmals im deutschen Profifußball wurde ein Spiel aufgrund eines rassistischen Vorfalls abgebrochen. Der Fall beim Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück sorgte für großes mediales Interesse. Doch die Ermittlungen der Polizei können keinen rassistischen Vorfall bestätigen.

Das ergibt zumindest eine Anfrage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Der Rassismus-Verdacht gegenüber einem 55-jährigen Beschuldigten habe sich nicht bestätigt. Der Fan soll den dunkelhäutigen Osnabrücker Spieler Aaron Opoku beim Spiel zwischen dem MSV und dem VfL diskriminierend beleidigt haben. Die Polizei hat umfangreiche Videoaufnahmen ausgewertet, sowie beteiligte Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer und Ordner befragt. Die Affenlaute können nicht bestätigt werden, so Polizeisprecher Jonas Tepe gegenüber der WAZ. Mit den lautstarken Worten “Du Affe kannst auch keine Ecke schießen” sei zudem nicht der dunkelhäutige Opoku gemeint gewesen, sondern dessen Mitspieler Florian Kleinhansl. Opoku hatte sich angesprochen gefühlt und den Linienrichter informiert. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung erklärte der VfL, dass er aufgrund eines rassistischen Vorfalls nicht mehr in der Lage sei, weiterzuspielen. Daraufhin wurde das Spiel abgebrochen.

Rechtsanwalt stellt Anzeige wegen Vortäuschung einer Straftat

Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft. Die WAZ berichtet, dass ein Duisburger Rechtsanwalt Anzeige gegen den Osnabrücker Spieler Kleinhansl und den involvierten Linienrichter erstattet hat. Die Anzeige ist vom 22. Dezember. Darin steht, dass der Anfangsverdacht der Vortäuschung einer Straftat bestehe. Der Rechtsanwalt will prüfen, ob der Spieler und der Unparteiische die Sitution im Vorfeld des auszuführenden Eckballs genutzt hätten, um unwahre Behauptungen über rassistische Beleidigungen aufzustellen. Es habe keinen rassistischen Vorfall gegeben, so der Anwalt, der Fan des MSV Duisburg ist. “Ich möchte nicht, dass in die Annalen eingeht, dass unsere Fans mit so etwas in Verbindung gebracht werden.”

Stellungnahme des MSV Duisburg zu den Ermittlungen

Seitens des DFB gibt es noch keine Äußerung zu den Ermittlungen der Polizei. Der MSV Duisburg hat bereits Stellung bezogen:

Liebe Fans, Partner und Mitglieder das MSV Duisburg,

die Vorbereitungen auf das Wiederholungsspiel gegen den VfL Osnabrück laufen auf Hochtouren.

Als im Dezember das Spiel abgebrochen worden ist, war das für uns ein einschneidender Moment. Unser Handeln war in jener Situation, wie sie sich uns in den Momenten des Abbruchs dargestellt hat und auf Grundlage des uns damals vorliegenden Sachstandes richtig und gut. In Summe wurde uns das so auch von vielen Seiten gespiegelt.

Im Nachgang zum Spiel hat der MSV die Ermittlungsarbeiten der Polizei aktiv begleitet und ergänzend haben mehrere Stadionbesucher mit Zeugenaussagen die polizeilichen Ermittlungen zur nachträglichen Aufklärung des Sachverhaltes vom 19.12.2021 unterstützt. Dafür gebührt den MSV-Anhängern großer Dank. Mit dem betroffenen Stadionbesucher stand der MSV im regen Austausch.

Vorbehaltlich einer finalen und abschließenden Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft sind wir sehr erleichtert darüber, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt und nach den heute veröffentlichten Ermittlungsergebnissen der Polizei, die dem MSV leider noch nicht vorliegen, der Rassismusverdacht nicht erhärtet hat. Auch die vom Linienrichter wahrgenommen vermeintlichen Affenlaute konnten in den Ermittlungen offenbar nicht bestätigt werden.

Wir sind erleichtert, dass mit diesen vorläufigen Ergebnissen unsere Werte, unser Leitbild und unsere weltoffene Stadt nicht nachhaltig beschädigt wurden. Nun blicken wir erst einmal auf die kommenden Spieltage und besonders auch das Wiederholungsspiel am 2. Februar 2022.

Dieses werden wir nutzen, um noch einmal reichweitenstark und deutlich sichtbar für unsere Werte einzustehen, um damit ein klares Signal für den MSV und für Duisburg zu setzen.

Ingo Wald, Präsident


Artikel im Löwenmagazin

Der ursprüngliche Artikel zum Thema im Löwenmagazin: Rassismus-Eklat: Drittligaspiel zwischen Osnabrück und Duisburg abgebrochen

Die Entscheidung des DFB das Spiel zu wiederholen: MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück wird nach rassistischem Vorfall wiederholt

Stellungnahme des DFB vor den Ermittlungsergebnissen

DFB: Spielabbruch in der 3. Liga: “Kompromisslos gegen Rassismus” vom 19.12.2021

Photo by Christof Koepsel/Getty Images

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