Ein junger Löwe und die Emotionen im Stadion

Hand aufs Herz. Wir Fans bewerten in der Regel die Schiedsrichterleistung immer ein wenig schlechter als sie eigentlich ist. Wir haben eben nicht die Brille der Neutralität auf der Nase. Und das ist vollkommen klar. Viele Szenen habe auch ich später, als ich sie noch einmal am Bildschirm sah, anders bewertet.

Die Unruhe gestern im Stadion im Hinblick auf Entscheidungen des Schiedsrichters waren gestern ein Thema. “Schwarze Sau” donnerte es von den Rängen. Eine emotionale Reaktion, die ich persönlich zumindest in dieser Wortwahl nicht unterstützen oder gar mitschreien könnte. Aber es obliegt mir auch nicht darüber zu urteilen. Klar ist, dass der Schiedsrichter streckenweise durchaus überfordert aussah.

55. Minute: Schiedsrichter Schultes entgleitet das Spiel immer mehr, solch eine aufgeladene Stimmung hat die Grünwalder Straße in dieser Saison wahrscheinlich noch nicht gesehen. (Abendzeitung)

Auch die Abendzeitung schrieb in der 55. Minute, dass das Spiel dem Schiedsrichter immer mehr entgleitete. Ein zudem sehr aggressives Spiel, dass auf Seiten der Löwen mit herben Verlusten eingeht. Weber und Karger sind während des Spiels bereits auf dem Weg zum Krankenhaus. Die Fans toben. Von den Rängen hallt weiterhin immer wieder “schwarze Sau”.

Interessant war dabei direkt vom Spielfeldrand den Linienrichter zu beobachten. Umso unruhiger die Fans wurden, umso aggressiver wurde dort der Linienrichter. Nervosität machte sich breit. Ist es der Druck in diesem großen Stadion? Wir haben immerhin überwiegend Schiedsrichter, die normalerweise vor vielleicht zweihundert bis maximal 2000 Fans pfeifen. Der Zuschauerschnitt in der vergangenen Saison lag bei 771. Diese Saison liegt er bereits bei doppelt soviel, was natürlich an den Spielen der Löwen liegt.

Ist das Grünwalder Stadion eine besonders emotionale Geschichte für die Schiedsrichter und mit einem größeren Druck verbunden? Es wäre durchaus interessant, die Unparteiischen dazu mal zu befragen. Grünwalder Stadion hat für den einen oder anderen Schiri vielleicht gar nicht mal so viel mit dem zu tun, was sie bisher erlebt haben. Und wir wissen alle, dass auch ein Schiedsrichter ein gewisses Erfahrungspotential haben muss.

David F., ein kleiner Löwe, wirkt irritiert durch die aggressive Stimmung auf der Haupttribüne. Während der Halbzeitpause steht er an der Scheibe zum Spielereingang. Er freut sich, als er die Spieler sehen darf. Als das Schiedsrichtergespann vorbei kommt, fallen von Fan-Seite aggressive Beleidigungen. Sein Vater versucht das Verhalten zu erklären. Doch allzu viel kommt bei David nicht an. Er wirkt geschockt, als ein angetrunkener Fan mit wüsten Beleidigungen und Drohungen auf die Scheibe einhämmert. Unter den kritischen Blicken der Security.

“Die sind eben nicht so erfahren!”, meint sein Vater: “Das sind Schiris aus der 4. Liga. Vielleicht sollte man im Grünwalder Stadion auf Schiris aus der 3. Liga zurückgreifen.” Das leuchtet David ein. Ja, das fände er eine gute Idee. Dann würden die Fans auch aufhören die Schiris zu beleidigen. Denn toll ist das für den jungen Löwen definitiv nicht.

Fakt ist, dass das Thema “Unparteiische” ein sensibles Thema ist. Und man sich durchaus Gedanken machen muss, wie man seitens des Verbandes damit umgeht. Es ist nicht nur das Spiel, das komplett entgleiten kann, wenn Fehlentscheidungen getroffen werden. Das gesamte Stadion ist eine emotionale Welle. Gerechtigkeit auf dem Platz wirkt sich auch auf die Stadionränge und später auf die Straßen von Giesing aus.

An dieser Stelle Löwengrüße an den jungen David …

 

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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