Wie vor jeder Saison wird in den deutschen Ligen über die Erfolgschancen einzelner Mannschaften spekuliert. Wer wird Meister, wer steigt auf, wer steigt ab? Auf Liga3-online gibt es aktuell eine Serie, in der die 20 Mannschaften der Dritten Liga genauer unter die Lupe genommen werden und eine Prognose für ein Abschneiden in der anstehenden Saison gestellt wird. Im Grunde sind das reine Spekulationen, weil, wir wissen es alle, im Fußball kaum etwas vorhersehbar ist. Und das mögen die Fans so an ihrem Lieblingssport.

Nachdem das Portal dem TSV 1860 München eine schlechte bis düstere Saisonprognose voraussagt, wollen wir deren Analyse für die Gründe eines schlechten Abschneidens in der anstehenden Saison genauer betrachten und selbst einen Ausblick auf die bevorstehende Saison wagen.

Chaos im Verein, schwache Mannschaft

Als Ausgangslage stellt das Online-Portal fest, dass es bei den Löwen drunter und drüber geht. In den Vereinsgremien (Anm. der Red.: Hiermit dürften die Gesellschafter der KGaA gemeint sein) sei ein „Machtkampf“ entbrannt. Dabei hätten die Löwen nach einer schwachen Rückrunde in der vergangenen Saison doch genug Arbeit vor sich. Unter der Rubrik „Zu- und Abgänge“ wird lediglich Dennis Erdmann vom 1. FC Magdeburg, der den für Sechzig schwerwiegendsten Abgang Simon Lorenz in der Innenverteidigung ersetzen soll, als externen Neuzugang genannt. Aber auch der über externe „Gönner“ finanzierte Aaron Berzel wird als Zugang deklariert.

Die Mannschaft wird von Liga3-online in allen Teilen von hinten bis vorne generell als nicht überragend besetzt gesehen. Diese Schlussfolgerung basiert auf einer schwachen Leistung der Mannschaft im Frühjahr des laufenden Jahres – unter anderem nach dem schnellen Abgang von Stürmer Adriano Grimaldi. Weil kaum ein neuer Spieler kommt, müsse sich die Mannschaft weiterentwickeln. Dafür fehle es aber sowohl in der Breite als auch individuell an Qualität.

Zudem hätten sich die Löwen die Stimmung nach dem Aufstieg binnen zwölf Monaten ziemlich verhagelt. Laut Expertenmeinung wären die vorhandenen Spieler viel zu inkonstant, als dass mit dieser Mannschaft jetzt große Sprünge möglich wären.

Daher lautet die Prognose von Liga3-Online: Am Ende der Saison 2019/20 wird für den TSV nicht mehr drin sein als Platz 14-18:

https://www.liga3-online.de/saisonprognose-3-1860-uerdingen-haching-und-fck/

Alles eine Frage der Sichtweise

Das kann man durchaus so sehen. Und manche des weiß-blauen Anhangs, denen vielleicht der Weg nach oben nicht schnell genug gehen kann, trauen der Mannschaft ebenso wenig zu.

Es ist jedoch durchaus so, dass die Rückrunde mit 24 erzielten Punkten nicht schlechter war als die Vorrunde, in der es die Löwen auf 23 Punkte gebracht haben. Auch der Abgang von Herrn Grimaldi in der Winterpause wurde von der Mannschaft nachweislich kompensiert. In den ersten 11 Spielen nach dessen Abgang konnten 18 Punkte errungen werden. In den gleichen Spielen der Hinrunde wurden unter tatkräftiger Mithilfe des wechselfreudigen Stürmers auch nur 16 Punkte auf der Haben-Seite verbucht. Insofern hatte die Halbierung des Anfangs so gelobten „Ochsensturms“  keinen negativen Einfluss auf den Erfolg der Mannschaft.

Richtig ist, dass die Mannschaft im April einen fast schon dramatischen Einbruch erlitten hat. Fünf Liga-Spiele hintereinander wurden sang- und klanglos verloren. Zählt man den Toto-Pokal mit dem Spiel in Aschaffenburg dazu, sind es deren sechs Niederlagen in Folge gewesen. Als Gründe für die sportliche Talfahrt ist wohl mehr eine kollektive Verunsicherung der Mannschaft, als ein Mangel an Qualität der einzelnen Spieler zu sehen. Seitdem der Mannschaft im Hinblick auf eine möglicherweise unsichere Weiterbeschäftigung nach Ablauf der Saison durch den Geschäftsführer Sport „reiner Wein“ eingeschenkt wurde, schien es, wie verhext, auf dem Platz nicht mehr zu laufen. Wer weiß, wo die Mannschaft ohne dieser Negativserie am Ende der Saison gelandet wäre?

In dem aktuellen Kader mit 24 Feldspielern und drei Torleuten finden sich insgesamt 20 Spieler aus der Vorsaison wieder. Man könnte insoweit auch von einer gewissen Konstanz in der Kaderplanung sprechen. Da wächst etwas zusammen. Neu im Team sind neben dem zweitligaerfahrenen Innenverteidiger Dennis Erdmann, die aus der eigenen Jugend stammenden Fabian Greilinger (Sturm), Niklas Lang, Leon Klassen (beide Abwehr), sowie der aus der Reserve kommende Marco Raimondo-Metzger (Abwehr) und unser Aufstiegsheld und Rückkehrer aus Garching Simon Seferings. Also nahezu alle mit Stallgeruch. Eigentlich eine Kaderplanung nach dem Geschmack des leidenschaftlich supportenden Anhangs. Mit jungen Wilden aus dem eigenen Nachwuchs die Liga aufmischen. 

Es spricht nichts dagegen, an die Mannschaft zu glauben und den Geschicken des Trainers Vertrauen zu schenken. Es steckt viel Potenzial in der Mannschaft. Die Mischung aus jung und alt stimmt. Die Alten werden die Jungen führen und der ein oder andere hat durchaus das Potenzial, für Furore zu sorgen. Biero kennt die Defizite einzelner Spieler. Er weiß, wo er ansetzen muss. Und was mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Platz bewirken kann, haben Carl Zeiss Jena und der Hallesche FC in der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen.

Hat der TSV 1860 München einen Drittliga-tauglichen Kader?

Im Tor werden wir mit Marco Hiller oder Hendrik Bonmann einen überdurchschnittlich guten Torhüter stehen haben. Die Innenverteidigung mit Felix Weber und dem positiv bekloppten Dennis Erdmann steht für Konstanz. Beide Spieler können auf Erfahrungen aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse zurückgreifen und haben sowohl als Abräumer, als auch in der Spieleröffnung ihre Qualitäten. Auf den Außenbahnen könnten Eric Weeger und Herbert Paul die Abwehr komplettieren. Beide sind technisch versiert und haben Drang nach vorne. Wenn beide ihren Hang zum Wahnsinn (gemeint sind vermeidbare Konzentrationsfehler in Form von Ballverlusten, Fehlpässen und unnötigen Fouls) abstellen können, sind sie aus der Mannschaft nicht weg zu denken.

Im zentralen Mittelfeld kann Efkan Bekiroglu mit seinen unbestrittenen technischen Fähigkeiten und einem guten Auge für seine Mitspieler, Denker und Lenker in unserem Spiel werden. Vor der Abwehr haben wir mit Daniel Wein und Philipp Steinhart zwei erfahrene Drittliga-Spieler mit Luft nach oben. Gerade Steinhart, der “Standard-König der Liga”, muss an seinem Defensivverhalten arbeiten. Auf den Außen können die quirligen Benjamin Kindsvater und wahlweise Noel Niemann oder Fabian Greilinger ihre Gegner vor unlösbare Aufgaben stellen.  
Und vorne in der Mitte müssen wir über SM9 gar nicht erst reden. Der wird seine Tore machen.

Das hört sich doch nach einer Mannschaft an, die in der Dritten Liga eine Rolle spielen kann. Und jetzt haben wir noch gar nicht von den Langzeitverletzten Quirin Moll, Stefan Lex und Nico Karger gesprochen. Alles Spieler, die jeder Trainer in Liga 3 gerne in seinem Kader sehen würde. Nicht zu vergessen Aaron Berzel, unser durch externe Gönner finanzierte “Ergänzungsspieler” mit Kultpotenzial.

Die Saison kann kommen

Nach den Erkenntnissen unserer Kibitze aus dem Trainingslager in Windischgarsten und den Aussagen unseres Trainers Daniel Bierofka ist die Mannschaft ein verschworener Haufen. Wenn unsere sportliche Leitung es schafft, die Jungs ausnahmslos auf die sportlichen Ziele zu fokussieren und das politische Treiben von der Mannschaft fern halten kann, dann können wir uns auf eine gute Saison freuen und alle Kritiker Lügen strafen.

Mannschaft und Fans unlängst im Trainingslager in Windischgarsten.

Positiv denken, vertrauen und supporten was das Zeug hält, ob im Stadion, oder zuhause auf dem Sofa. Gemeinsam (Mannschaft und Fans) sind wir stark, wie noch nie. Gemeinsam rocken wir die Liga.

Und zum Schluss noch ein Tipp an die Mannschaft. Einfach die Prognose von Liga3-online in den Spind pinnen und jedes mal vor dem Spiel drauf schauen. Mehr Motivation geht nicht.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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