Ein Kommentar

Der FC Unterföhring präsentierte sich gegenüber dem Löwenmagazin offenherzig und mit viel Freude. Kein Wunder, viele Unterföhringer sind Sechzger-Fans. Wir hatten einige konstruktive und interessante Gespräche. Und auch zahlreiche Unterföhringer störten sich daran, dass man während des Spiels für Taschen Einlassbänder des FC Bayern München verteilte.

Noch viel weniger Verständnis hatte man jedoch im Hinblick auf eine Aussage von Franz Faber, dem Präsidenten des FC Unterföhring. Auf die Frage hin, wie er einem nicht fußball-interessierten Menschen den Verein 1860 erklären würde, sagte er gegenüber dem Blog dieblaue24: “Die Sozialschwachen oder weniger Betuchten suchen sich den Verein, mit dem sie leiden können. Die Blauen ziehen das Arbeitervolk und natürlich die an, die mit der Philosophie des FC Bayern nicht leben können. Und da gibt’s speziell in München viele.”

Ist das tatsächlich so? Grundlegend ist mal zu sagen, dass wir Löwen durchaus auf die Geschichte unseres Vereins als Arbeiterverein stolz sind. Weil genau dieser wesentliche Punkt uns zu dem macht, was wir sind: Nämlich ein traditioneller Münchner Verein. Das hat geschichtliche Gründe. Bereits im Jahr 1848 gründete sich der Verein, wurde jedoch im Jahr darauf aufgrund von republikanischen Umtrieben verboten. Giesing war bis dahin bereits des Öfteren mit Unruhen aufgefallen. Das Arbeiterviertel war sozialer Brennpunkt. Erst im Jahr 1860 gründete man sich neu als Turnverein. Im Jahr 1899 kam dann eine Fußballabteilung hinzu, die später einmal den wesentlichen Kern des Vereins ausmachen würde. Ein Verein also, mit dem sich vor allem Arbeiter identifizieren konnten. Ein Verein aus den eigenen Reihen und für die eigene Reihen.

Im Gegensatz dazu die Gründung des blau-weißen FC Bayern. Blau-weiß? Richtig gehört. Das waren ursprünglich die Farben des FC Bayern bei seiner Gründung. Der mit München herzlich wenig zu tun hatte, außer, dass er dort gegründet wurde. Die Gründungsmitglieder waren zum Großteil nicht einmal aus Bayern, geschweige denn aus München, sondern Berliner, Freiburger, Leipziger und Bremer. Der erste Vorsitzende war Franz John, ein Berliner Fotograf.

Und heute? Es wäre doch vermessen zu behaupten, der TSV 1860 München bestünde nur noch aus Arbeitern und sozial schwächeren Bürgern. Nein, auch der TSV 1860 München hat in der Zwischenzeit in allen sozialen Schichten Fans. Vor allem auch Unternehmer und bekannte Persönlichkeiten, die mit dem Arbeitertum, wie wir sie aus dem 19. und 20. Jahrhundert kennen, herzlich wenig zu tun haben. Wir haben einen Star-Koch als Fan, zahlreiche Politiker, bayerische Schauspieler, Sänger und vieles mehr. Was einst tatsächlich durchaus geschichtliche Relevanz hatte, das endet heutzutage in einem Vorteil. Wir leben im Jahr 2017 und nicht mehr in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zu behaupten, dass vor allem Sozialschwächere sich mit 1860 identifizieren können, ist schlichtweg eine Frechheit.

Klar ist: Wir sind ein Verein, der sich im Moment an seine Wurzeln erinnert. Mit dem man sich durchaus identifizieren kann, weil er ein Stück weit auch die Bürger unserer Stadt wiederspiegelt. Der TSV 1860 München ist eben nicht eine Marke wie der FC Bayern München, dessen Trikots man in sozialen Brennpunkten wie zum Beispiel in Rio de Janeiro neben denen vom FC Barcelona oder Real Madrid sieht. Weil solche Vereine genauso wie Marken wie zum Beispiel Adidas oder Nike Sehnsüchte wecken. Ja, die Kids in den sozialen Brennpunkten dieser Welt finden die großen Vereine Klasse. Weil man Hoffnung hat und von der großen weiten Welt träumt. Aber auch das gibt keinerlei Aufschluss, wie es tatsächlich dazu kommt, dass man sich als Fan mit einem Verein identifizieren kann.

Klar ist: Der TSV 1860 München ist ein Traditionsverein, der in einem Arbeiterviertel entstanden ist. Und es ist Teil seiner Geschichte. Das heißt aber nicht, dass wir vor allem sozialschwächere Fans haben, die sich eben mit dem tief gestürzten Verein identifizieren können. Allerdings hoffen wir auch, dass wir ein Verein sind, der auch sozialschwächeren Fans eine Heimat bietet. Wir werden ohnehin schon gerne in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft getrennt. Da ist es schön, wenn soziale Klassenunterschiede im Stadion keine Rolle spielen.

Was ist Eure Meinung? Warum sind für Euch die Löwen “Münchens große Liebe”? Wieso könnt Ihr Euch mit 1860 identifizieren?

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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