Russische Oligarchen, arabische Scheichs und Selfmade-Milliardäre beherrschen Top-Klubs in Europa. Sie schöpfen Gewinne und Dividenden in Millionenhöhe ab. Und hinterlassen oftmals einen großen Schuldenberg und einen heruntergewirtschafteten Klub. Öffnet sich auch die Deutsche Fußball Liga dieser Entwicklung? Morgen geht es bei der DFL um die 50+1-Regel.

Zwölf europäische Top-Klubs wollten die Super League gründen. Die Pläne scheiterten, weil ein immenser Druck von außen aufgebaut wurde. Zu groß war die Ablehnung der Mehrheit. 12 Klubs, die vor allem eines sind: hoch verschuldet. Zusammen haben sie 8 Milliarden Schulden, laut Gazetta dello Sport. Den Klubbesitzern oder jeweiligen Investorengruppe geht es dabei meist gut. Sie weisen selbst ein hohes Vermögen auf, ihre Klubs hingegen arbeiten wirtschaftlich nicht rentabel und häufen immer mehr Schulden auf. Klubs als Melkkühe reicher Unternehmer.

Fanprotest bei Manchester United

Bei Manchester United protestierten Fans deshalb und entluden ihre jahrelange Fan-Wut. Bei der Übernahme des Klubs durch die Glazer-Familie wurden die gesamten Kosten und damit auch Schulden in dreistelliger Millionenhöhe auf den Verein umgewälzt. Während Manchester United 455 Millionen Pfund an Schulden hat, schöpfen die Besitzer über die Jahre mehrere Hundert Millionen Pfund an Gewinnen und Dividenden ab. Sollte den Glazers jemanden den Klub abkaufen wollen, wird er wohl mindestens 1,2 Milliarden Pfund hinlegen müssen. Die Fans fordern eine Reform nach deutschem Vorbild. Sie fordern 50+1. Doch in vielen Ländern lässt sich wohl kaum die Entwicklung aufhalten. Gerade in England sind Fußballvereine so zu reinen Spekulationsobjekten geworden. Russische Oligarchen, arabische Scheichs und Selfmade-Milliardäre quetschen die Klubs aus wie reife Zitronen. Und hinterlassen oftmals einen Schuldenberg und ein heruntergewirtschaftetes Fußball-Unternehmen.

Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga mit Thema 50+1

50+1 – darum geht es am morgigen Mittwoch in der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga. In Deutschland kann man die Entwicklung, wie man sie in England sieht, noch verhindern. Aber es wird ein harter Kampf. Eine klare Stellung hat der 1. FC Köln bezogen. “Die Abschaffung der 50+1-Regel ist keine Option“, schreiben die Köllner und fordern, dass auch andere Klubs mitziehen: “Wir rufen die übrigen Clubs, deren Mitglieder und Fans auf, uns auf diesem Weg zu unterstützen.” Das Konfliktpotenzial ist hoch. Die DFL hat deshalb ein Schweigegelübde erlassen. Wenn die Bosse der 36 Profiklubs am Mittwoch die Mitgliederversammlung verlassen, soll keiner an die Öffentlichkeit treten.

Mehrjährige Übergangszeit für die drei Klubs mit Sonderrechten?

Das Kartellamt hält die 50+1-Regel kartellrechtlich grundsätzlich für unbedenklich, äußerte jedoch Zweifel an den Ausnahmen für drei Klubs. Das sind Bayer Leverkusen, der VFL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim. Die drei Klubs möchten ihre Sonderrechte behalten. Eine Idee, die im Raum schwebt, ist eine mehrjährige Übergangszeit. In dieser Lösung würden die Ausnahmen beseitigt, die drei Klubs könnten über mehrere Jahre ihre Rechtsform dann 50+1 konform anpassen. Eine weitere Option wäre die Abschaffung der 50+1-Regel.

Die 50+1-Regel in München

Der FC Bayern München hat bereits vorgesorgt. Die Verantwortlichen machen sich immer wieder gerne für die Abschaffung der 50+1-Regel stark. Der FCB hat jedoch die Regel längst in die eigene Satzung mit eingebaut. “Bei uns ist es ja so geregelt: Wir haben eine Vereinbarung mit unseren Mitgliedern, dass wir maximal 30% unseres Kapitals an Investoren verkaufen dürfen. Sollten wir das verändern wollen, bräuchten wir die Zustimmung der Mitglieder auf der Hauptversammlung. Und zwar zu drei Vierteln. Und die kriegen wir nie. Also wir haben uns selbst beschränkt”, meinte Hoeneß gegenüber den Medien. Und dem TSV 1860 München? Dem hat Hoeneß den Investor Ismaik vermittelt. Der Boss des FCB hatte 1860-Präsident Schneider kontaktiert: “Ich habe ihm gesagt, da gibt’s einen, der möcht’ euch Geld zukommen lassen. Macht das mal!” Das verrät Hoeneß der Süddeutschen Zeitung um gleich auch noch die süffisante Frage an die Journalisten zu stellen, ob Ismaik überhaupt Geld habe.

Der TSV 1860 München hat sich unter dem Deckmantel von 50+1 bereits verkauft. Aktuell noch geschützt durch die Mehrheit in der Geschäftsführungs GmbH. Das würde allerdings beim Wegfall von 50+1 keine Rolle mehr spielen.

Laut der Süddeutschen Zeitung wollte Gesellschafter und Kreditgeber Hasan Ismaik die 50+1-Regel bereits 2011 aushebeln. Kurze Zeit nach den Vertragsverhandlungen zum Anteilsverkauf an der KGaA habe der damalige 1860-Vize-Präsident Maget ein Stück Papier bekommen. Ein Gentleman Agreement. Dort stand drin, dass die Vereinsseite auf ihre Rechte verzichtet. „Ismaik hatte die Vorstellung: Notarvertrag ist das Eine, aber wie wir die Dinge regeln, unter Gentleman, ist das Andere.“ Unterschrieben wurde es seitens des e.V. nicht.

Und wie steht Ismaik heute der 50+1-Regel gegenüber? Gegenüber der Süddeutschen Zeitung wollte der jordanische Geschäftsmann sich nicht äußern und auch sonst gibt er seit langer Zeit keine Interviews mehr. Im Hinblick auf 50+1 lässt er sich durch MEO LAW München vertreten. Durchaus möglich, dass auch er noch eine Rolle spielen wird.

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Titelbild: (c) imago/sampics/StefanMatzke

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